120 BPM

Im Herzen des filmischen Universums erweckt Robin Campillo mit „120 BPM“ die emotionale Landschaft der 90er Jahre zum Leben. Mit kraftvollen Bildern greift er die drängenden Themen jener Zeit auf – die AIDS-Epidemie und der Kampf der Aktivistengruppe ACT UP. Als ein Spiegelbild des sozialen Unruhen und der menschlichen Dramen jener Ära zeichnet Campillo ein erschütterndes Bild einer Gesellschaft im Konflikt. Sein Film erzählt die Geschichte von Verzweiflung, Wut und unbändiger Entschlossenheit, die das Leben dieser Aktivisten bestimmten.

Dauer: 143 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Jahr:
Regie: Robin Campillo
Produzenten: Hugues Charbonneau, Marie-Ange Luciani
Hauptdarsteller: Nahuel Pérez Biscayart, Arnaud Valois, Antoine Reinartz
Nebendarsteller: Adèle Haenel
Genres: Drama, LGBT
Studio: Les Films de Pierre
Sprachen: Deutsch, Français

Campillo, der selbst Teil von ACT UP war, bringt authentische Erfahrungen in sein Werk ein. Ein Hauch von Realität durchdringt jede Szene, und der Film sticht heraus als ein eindringliches Porträt des unerbittlichen Widerstands gegen soziale Ungerechtigkeit. Indem er radikale Aktionen und persönliche Dramen meisterhaft miteinander verwebt, schafft Campillo ein leidenschaftliches Plädoyer für Gleichberechtigung und Anerkennung.

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Robin Campillo sein Drama „120 BPM“ ist ein Werk voller Leben, Leidenschaft und unerschütterlicher Entschlossenheit. Im Jahr 2017 inszenierte der Regisseur und Drehbuchautor diesen Film und erhielt dafür erhebliche Anerkennung. Campillo, unterstützt von seinen Produktionspartnern Hugues Charbonneau und Marie-Ange Luciani, erzeugt eine emotionale Dramaturgie, die das Publikum in ihren Bann zieht. Verstärkt wird die erzählerische Tiefe durch die meisterhafte Kameraarbeit von Jeanne Lapoirie und den überzeugenden Schnitt des Regisseurs selbst, zusammen mit Stephanie Leger und Anita Roth.

Mit seiner beeindruckenden Darstellerriege bringt „120 BPM“ die aufwühlende Epoche der AIDS-Epidemie auf die Leinwand. Nahuel Pérez Biscayart brilliert in der Rolle des mutigen Aktivisten Sean Dalmazo, während Arnaud Valois als Nathan und Adèle Haenel als Sophie ihren Charakteren Tiefe und Emotion verleihen. Antoine Reinartz und Félix Maritaud, die Thibault bzw. Max spielen, tragen ebenso dazu bei, das kraftvolle Ensemble zu vervollständigen.

Der Film wurde aufgrund seiner sensiblen Darstellung des Themas AIDS und der eindringlichen Ausdruckskraft vielfach ausgezeichnet. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2017 erhielt er den Großen Preis der Jury und den FIPRESCI-Preis. Außerdem war er für den renommierten Preis der Goldenen Palme nominiert. Beim Europäischen Filmpreis 2017 erhielt der Film eine Nominierung als bester europäischer Film, während Nahuel Pérez Biscayart als bester Darsteller nominiert wurde und Robin Campillo für den besten Schnitt ausgezeichnet wurde. Trotz seiner vielfältigen Anerkennung musste der Film auch einige Kontroversen durchmachen. Bei einer Vorführung in Bukarest störten christliche Demonstranten die Aufführung, was zu Diskussionen über den Schutz von LGBT-Themen im Film führte.

Inhalt und Handlung vom Film „120 BPM“

Die Handlung von „120 BPM“ setzt in den frühen 90er Jahren ein, als eine Gruppe von HIV/AIDS-Aktivisten der Pariser Ortsgruppe von ACT UP vehement Maßnahmen zur Bekämpfung der AIDS-Epidemie fordert. Ungeachtet der erklärten Unterstützungsabsicht der französischen Regierung für HIV/AIDS-Kranke organisiert ACT UP öffentliche Proteste gegen deren schleppende Vorgehensweise. Die Regierung steht unter dem Vorwurf, den Kampf gegen das Virus zu zensieren und zu minimieren.

Ein Wendepunkt im Film tritt auf, als das Pharmaunternehmen Melton Pharm plant, die Ergebnisse seiner HIV-Studien im kommenden Jahr auf einer wichtigen Pharmakonferenz zu präsentieren. ACT UP reagiert mit einem Eindringen in die Büros des Unternehmens, bespritzt die Räumlichkeiten mit Kunstblut und verlangt eine sofortige Veröffentlichung der Studienergebnisse. Obwohl ACT UP mit seinen öffentlichen Protesten gewisse Fortschritte verzeichnet, entbrennen innerhalb der Gruppe intensive Debatten über ihre Strategie, die zwischen Effekthascherei und Überzeugung schwankt, und sich durch eine Ästhetik auszeichnet, die Positivität und Elend vereint.

Die Gay-Pride-Parade

Während ACT UP versucht, eine effektivere Gay Pride Parade in Paris zu planen als in den Vorjahren. Sieht man im Film eine Reihe großer Versammlungen in einem Hörsaal. Dort fordern radikale Mitglieder direkte Aktionen, während andere versuchen, Wissenschaftler zu Versammlungen zu holen um sie zu einer frühzeitigen Mitteilung ihrer Ergebnisse zu bewegen. Doch schnell geraten einige Radikale mit Helene aneinander, der Mutter eines Teenagers, der sich durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert hat. Für einige verstößt ihre Forderung, Politiker wegen ihres falschen Umgangs mit Bluttests gerichtlich zu verfolgen, gegen die Grundsätze von ACT UP.

Im weiteren Verlauf wechselt der Film von der politischen Handlung der ACT UP-Aktionen zu den persönlichen Geschichten der ACT UP-Mitglieder. So rückt Jeremie, ein HIV-infizierter Jugendlicher in der Gruppe, in den Fokus. Sein rapide verschlechternder Gesundheitszustand nimmt tragische spätere Ereignisse des Films vorweg. Nach seinem Tod zieht die Gruppe durch die Straßen und reiht seinen Namen in die lange Liste der AIDS-Opfer ein.

In der zweiten Hälfte des Films tritt eine neue Figur in den Mittelpunkt. Nathan, ein HIV-negativer schwuler Mann und Neuling in der Gruppe, beginnt eine Beziehung mit dem HIV-positiven, leidenschaftlichen ACT UP-Veteranen Sean. Als Seans Krankheit fortschreitet und seine T-Zellen-Zahl auf 160 sinkt, bietet Nathan an, sich um ihn zu kümmern. Seans Tod ist der schmerzvolle Höhepunkt des Films: Nachdem Nathan ihm Sterbehilfe geleistet hat, verstreut ACT UP seine Asche während einer Krankenversicherungskonferenz – ganz so, wie es Sean gewünscht hatte.

Filmkritik und Rezension von „120 BPM“

Mit der Anerkennung Pedro Almodóvars wurde Robin Campillos Film „120 BPM“ zum leuchtenden Symbol des Cannes Film Festival 2017. Obwohl er nicht die Goldene Palme, sondern den Großen Preis der Jury gewann. Hat der Film, das auf den Ungerechtigkeiten der AIDS-Epidemie der 90er Jahre hingewiesen. sichtlich starke Eindrücke hinterlassen. Eindringlich stellt der Film die Bemühungen und Herausforderungen der Aktivistengruppe ACT UP dar, die durch radikale Methoden weltweit auf die Rechte von AIDS-Kranken aufmerksam macht.

Ein rohes und authentisches Manifest der Hoffnung und Gleichberechtigung im Schatten der AIDS-Krise

Campillos‘ persönliche, als schwuler ACT UP-Aktivist gemachte Erfahrungen verleihen dem Film eine authentische, rohe Atmosphäre.. Der Film nimmt uns mit in eine Zeit der Verzweiflung und Wut, die von der AIDS-Krise geprägt ist. In gewissen Momenten erinnert „120 BPM“ an einen politischen Kriegsfilm – eine hitzige Konfrontation zwischen den Aktivisten und der ignorierenden Gesellschaft. Campillo gelingt es, eine Balance zwischen der Darstellung der Aggressionen und der Unerschrockenheit der Aktivisten zu finden, ohne dabei die Pharma-Lobbyisten zu verteufeln. Sein realistischer Blick auf die damalige Gesellschaft unterstreicht die Schwierigkeiten, die der Umgang mit der AIDS-Epidemie und die LGBTQ-Community mit sich brachte.

Während der Film zunächst auf die Aktivitäten der Gruppe fokussiert, verschiebt sich der Schwerpunkt allmählich auf interne Konflikte und individuelle Geschichten innerhalb der Gruppe. Campillo setzt gekonnt unterschiedliche inszenatorische Mittel ein, um die verschiedenen Phasen des Films hervorzuheben. Die erzählte Liebesgeschichte zwischen Sean und Nathan bringt eine persönliche Dimension in das Drama ein, die durch den schmerzhaften Verlust von Sean intensiviert wird. Trotz aller Schwierigkeiten und Rückschläge bleibt jedoch eine gewisse Hoffnung bestehen, die sich in der ständigen Energie der Gruppe widerspiegelt. Im Kern bleibt „120 BPM“ ein filmisches Manifest für eine gleichberechtigte und offene Gesellschaft, das durch seine aufrichtige und leidenschaftliche Erzählweise besticht.

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