Almanya – Willkommen in Deutschland

Almanya – Willkommen in Deutschland“ ist ein fesselnder Film, der eine berührende Familiengeschichte vor dem Hintergrund der deutsch-türkischen Migration erzählt. Regisseurin Yasemin Şamdereli führt das Publikum durch die Reise einer dreigenerationalen Familie, die sich zwischen zwei Kulturen bewegt. Dabei folgt die Erzählung dem jungen Cenk Yılmaz, der sich in der deutschen Gesellschaft unsichtbar fühlt und von der Frage nach seiner Identität heimgesucht wird. Parallel dazu führt die ältere Cousine Canan die Zuschauer durch episodische Rückblicke, die die Geschichte ihres Großvaters Hüseyin erzählen, einem mutigen Mann, der seine Familie in den 1960er Jahren von der Türkei nach Deutschland brachte.

Dauer: 101 Min.
FSK: ab 6 Jahren
Jahr:
Regie: Yasemin Samdereli
Produzenten: Annie Brunner, Andreas Richter, Ursula Woerner
Hauptdarsteller: Fahri Ogün Yardim, Denis Moschitto, Petra Schmidt-Schaller
Nebendarsteller: Aylin Tezel, Vedat Erincin
Genres: Drama, Kinder & Familie
Studio: Roxy Film GmbH
Sprachen: Deutsch, Türkisch, English

Diese warmherzige Komödie konfrontiert die Familie nicht nur mit den Herausforderungen und Kämpfen der Vergangenheit, sondern auch mit denen der Gegenwart. So kommen während einer Reise in die Türkei, die durch Hüseyins kürzlichen Kauf eines Hauses in seiner Heimatstadt ausgelöst wird, die individuellen Probleme jedes Familienmitglieds zum Vorschein. Gleichzeitig feiert der Film die deutsch-türkische Kultur und den Zusammenhalt der Familie, trotz aller Hürden und Unannehmlichkeiten, die das Leben in zwei Welten mit sich bringt.

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Almanya – Willkommen in Deutschland“ ist ein Film aus dem Jahr 2008 mit einer Länge von 112 Minuten. Das Regieduo besteht aus den Schwestern Yasemin und Nesrin Şamdereli, die auch gemeinsam das Drehbuch schrieben. Bei der Produktion führten Annie Brunner, Andreas Richter und Ursula Woerner das Zepter, während Gerd Baumann die Filmmusik komponierte. Hinter der Kamera stand Ngo The Chau, und der Schnitt erfolgte durch Andrea Mertens.

Die Besetzung glänzt mit Vedat Erincin und Fahri Ogün Yardım, die den älteren bzw. jüngeren Hüseyin darstellen. Lilay Huser und Demet Gül spielen die Rollen der älteren bzw. jüngeren Fatma. Des Weiteren sind Rafael Koussouris als Cenk und Aylin Tezel als Canan zu sehen.

2011 erhielt der Film den Deutschen Filmpreis in Silber in der Kategorie Bester Film. Zudem wurden die Şamdereli-Schwestern für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Der Film wurde auch für den Europäischen Filmpreis 2011 in Betracht gezogen und erhielt weitere Nominierungen beim Preis der deutschen Filmkritik.

Die Weltpremiere fand auf der Berlinale 2011 statt, wo der Film in Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulff vorgestellt wurde. Kurz darauf, am 10. März, startete der Film in 209 deutschen Kinos. Interessant ist, dass es neben der deutschen auch eine türkische Version des Films gibt.

Nach der Berlinale wurde der Film auch auf internationalen Festivals gezeigt, etwa beim Edinburgh International Film Festival und dem Seattle International Film Festival. Letzteres brachte dem Film eine Nominierung im Wettbewerb für Nachwuchsregisseure und einen Platz unter den zehn besten Filmen des Festivals, gewählt von den Zuschauern.

Inhalt und Handlung vom Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“

Cenk Yılmaz, ein sechsjähriger Junge, ist tief verunsichert über seine Identität. Er wird in seiner Schule in Deutschland auf dem Fußballplatz übersehen. Als Kind eines türkischen Vaters, Ali, und einer deutschen Mutter, Gabi, steht er zwischen den Kulturen. Trotz seines türkischen Erbes spricht Cenk kein Wort Türkisch, was seine innere Zerrissenheit weiter verstärkt.

Bei einer familiären Zusammenkunft gibt es zwei bedeutende Ankündigungen. Fatma, Cenks Großmutter, enthüllt, dass sie kürzlich die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat. Parallel dazu verkündet Großvater Hüseyin seine überraschende Entscheidung, ein Haus in seinem türkischen Heimatdorf erworben zu haben. Er plant, dieses Haus als Sommerresidenz zu nutzen und möchte, dass die gesamte Familie zur Renovierung in die Ferien in die Türkei reist.

Gleichzeitig mit der aktuellen Familiendynamik erzählt Canan, eine ältere Cousine von Cenk, ihre Familiengeschichte in episodischen Rückblicken. Sie erzählt von der mutigen Liebe ihres Großvaters Hüseyin zu Fatma, einem Mädchen aus einem Nachbardorf. Weitere Episoden von seiner Heirat mit ihr und schließlich von seiner Ankunft in Deutschland als Gastarbeiter in den 1960er Jahren. Als Hüseyin später seine Familie nach Deutschland holte, wurden sie alle mit der Herausforderung konfrontiert. Sie mussten sich in einem fremden Land mit unbekannter Sprache und Kultur zurechtzufinden.

Die Reise zum Haus

In der Gegenwart macht sich die Großfamilie auf den Weg in die Türkei, um das kürzlich erworbene Haus von Hüseyin zu begutachten. Während der langen Reise dorthin kommen die individuellen Probleme und Kämpfe jedes Familienmitglieds zum Vorschein. Besonders bemerkenswert ist Hüseyins aktuelle Situation: Er hat kürzlich eine Einladung zu einer offiziellen Veranstaltung für Gastarbeiter im Schloss Bellevue erhalten und ist unschlüssig, wie er diese Ehre annehmen soll.

Die Reise erreicht einen emotionalen Höhepunkt mit dem unerwarteten Tod von Hüseyin. Trotz seiner deutschen Staatsbürgerschaft wird ihm eine Beerdigung auf einem islamischen Friedhof von den türkischen Behörden verweigert. Infolgedessen entscheidet sich die Familie, ihn in seiner Heimatstadt zu begraben. Cenk, der den Verlust seines Großvaters verarbeitet, sieht seine Familie sowohl in ihrer jetzigen Form als auch als junge Einwanderer aus den 1960er Jahren. Die Geschichte schließt mit Cenk, der vor der Bundeskanzlerin Angela Merkel die Rede hält, die Hüseyin für die Dankesveranstaltung im Schloss Bellevue vorbereitet hatte.

Fazit und Kritiken zum Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“

Almanya – Willkommen in Deutschland“ ist eine charmante Integrationskomödie von den Samdereli-Schwestern. Sie erzählt die Geschichte einer türkischen Einwandererfamilie, die mit den alltäglichen Herausforderungen der Assimilation konfrontiert ist. Neben der humorvollen und einfühlsamen Darstellung der kulturellen Identitätsfragen überzeugt der Film vor allem durch seine starken schauspielerischen Leistungen. Der hervorragende Cast mit bekannten Gesichtern wie Denis Moschitto und Fahri Yardim sorgt für Authentizität und Tiefe.

Die Erzählweise des Films ist kunstvoll gestaltet. Zwei parallele Handlungsstränge – die Geschichte der Familie in Deutschland und ihre aktuelle Reise in die Türkei – verweben sich zu einem bewegenden Porträt der Einwanderererfahrung. Besonders beeindruckend sind die Rückblenden, die mit viel Witz und Charme die Anfänge der Familie in Deutschland darstellen. Hier stechen vor allem die starken Darstellungen des jungen Hüseyin und die feinen Beobachtungen der kulturellen Unterschiede hervor.

Jedoch verliert der Film in seinem mittleren Teil etwas an Fokus. Die Vielzahl der erzählerischen Elemente und die eher dramatischen Akzente der gegenwärtigen Handlung überzeugen nicht ganz. Trotz dieser kleineren Schwächen bietet „Almanya – Willkommen in Deutschland“ jedoch ein erfrischendes und herzliches Bild der Immigration und der deutsch-türkischen Beziehungen. Es ist ein Film, der seine Zuschauer zum Lachen bringt, zum Nachdenken anregt und dabei immer authentisch und berührend bleibt.

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