Neben den Gleisen

Der Film „Neben den Gleisen“ ist eine Dokumentation aus dem Jahr 2016 und erzählt von dem Bahnhofskiosk der Elbstadt Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Hier ist der tägliche Anlaufpunkt von zahlreichen Pendlern und Reisenden. Dort befindet sich auch eine Stammkneipe für Rentner, Taxifahrer, Jugendliche, Arbeitslose und Schichtarbeiter.

Dauer: 99 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Dieter Schumann
Produzenten: Fritz Hartthaler, Angelika Brix
Hauptdarsteller: Bernd Fischer
Genre: Dokumentation
Studio: Deutschfilm
Sprachen: Deutsch, English

Ein beschaulicher Alltag kann sich für die Kunden jedoch schnell ändern. Das Ganze ändert sich nämlich, als das Erstaufnahmelager für Flüchtlinge eröffnet wird. Diese Dokumentation zeigt, wie die Stammgäste mit dieser Situation umgehen und diese anschließend reflektieren.

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Neben den Gleisen“ wurde unter der Regie von Dieter Schumann und Timo Großpietsch gedreht. Das dazugehörige Drehbuch wurde von Michael Kockot verfasst, der sich auch um die Kamera gekümmert hat. Für die musikalische Untermalung sorgte Bernhard Kübel. Produziert wurde der Film in Deutschland von Fritz Hartthaler, sowie auch von Angelika Brix, sodass die Originalsprache deutsch ist. Die Besetzung bestand hauptsächlich aus Bernd Fischer. Zum ersten Mal wurde das Werk am 6.April 2017 ausgestrahlt.

Insgesamt geht der Film 85 Minuten und hat eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren.

Inhalt und Handlung vom Film „Neben den Gleisen“

Diese Dokumentation widmet sich der Kiosk-Kneipe am Boizenburger Bahnhof. Die Stammkunden reden über die Situation mit den ganzen neuen Flüchtlingen, was nicht jeder von ihnen gerade toll findet. Boizenburg ist eine kleine norddeutsche Stadt mit einem zentralen Schauplatz, was die Kneipe darstellen soll. Die kleine Elbstadt befindet sich in Mecklenburg-Vorpommern.

Schon seit Jahren ist der Kiosk der Hotspot für Menschen aller Altersklassen. Vor allem Rentner und Arbeitslose haben hier ihre zweite Heimat gefunden und bringen dort den Tag hinter sich. Durchreisende, Schichtdienstler, sowie auch Taxifahrer kommen ebenfalls öfters vorbei, um das eine oder andere Getränk zu trinken. Die Kneipe ist durchgängig von 5:00 bis 22:00 Uhr offen. Die Kunden essen und trinken hier gerne und noch viel lieber wird dort Fußball geschaut und miteinander geplaudert.

Das alles ändert sich, als ein Erstaufnahmelager in unmittelbarer Nähe aufgestellt wird. Jeden Tag finden neue Flüchtlinge in diesem Lager ihr zu Hause und das gefällt den Stammkunden nicht wirklich, da sie sich mit der Situation erst einmal anfreunden müssen. Ende 2015 sind es über Tausende von Flüchtlingen, die nun in Boizenburg leben sollen. Das Filmteam hat hier eine wunderbare Lösung gefunden, denn die Szenen finden hauptsächlich im Alltag der Kneipe statt.

Dokumentiert werden die unterschiedlichen Reaktionen der Kiosk-Kunden. Die Gespräche der Kunden richten sich jetzt nicht mehr an Fußball-Spiele, denn es wird politisch. Viele der Kunden berichten über Ängste oder Hoffnungen, die sie mit der neuen Situation verbinden. Die Gespräche gehen hart bis an die Grenze. Die Flüchtlinge ziehen jeden Tag an der Kneipe vorbei oder betreten sie sogar. Das Zusammentreffen dieser zwei Welten fällt nicht immer gut aus.

Es gibt Geschichten zur Flucht und es wird gegen die Klischees geredet, dass alle Syrer scheinbar Vergewaltiger sind. Dieses Gerücht soll schnell aus dem Weg geräumt werden. Zusätzlich hört man von Bombenhagel und getöteten Verwandten. Dass Migranten ihre Kinder fressen, ist ebenfalls nur ein Gerücht und nicht wahr. All diese Verunsicherung werden in der Dokumentation sichtbar. Dabei bleibt die Dokumentation authentisch, da die Befragten offen und ehrlich über ihre Gefühle und Gedanken sprechen, sodass man als Zuschauer einen Einblick in das Herz und in den Kopf der Protagonisten bekommt.

Es muss erwähnt werden, dass das Mitgefühl der Kunden stärker ist als ihre Angst vor den Flüchtlingen. Schließlich haben alle Flüchtlinge eine traumatische Situation hinter sich, für das man etwas Verständnis aufbringen sollte. So entsteht Hoffnung auf ein harmonisches Zusammenleben. Das ist wohl der größte Verdienst dieses Films.

Filmkritik und Rezension von „Neben den Gleisen“

Man konnte „Neben den Gleisen“ im Jahr 2016 im Internationalen Wettbewerb auf der DOK Leipzig sehen. Dort wurde der Film von der Jugendjury zum besten Film gewählt im Bereich „ökumenische Filmscouts“.

Die Stimmung während der gesamten Dokumentation ist ernst und geistreich, sodass man nicht viel zu lachen hat. Die Doku soll also zum Nachdenken anregen und zur Reflexion, da mittlerweile jeder mit der Flüchtlingssituation zu kämpfen hat, was sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt. Die Fronten des Kapitalismus werden hier neu vermessen, sowie auch die globale Finanzspekulation.

In dem Film werden ohnmächtige Erfahrungen gemacht, da das alte Weltbild der Protagonisten zerbricht und sie sich nun schlagartig auf eine neue Welt einlassen müssen. Dennoch hat die Dokumentation auch Humor. Die aktuelle Politik wird verdeutlicht, sowie auch das Leben zwischen Alt und Jung. Es muss gelobt werden, dass „Neben den Gleisen“ nie herablassend ist. Es wird also nicht persönlich, sondern bleibt trotz aller Emotionen rational und nüchtern.

Manche Aussagen sind aber ungeheuerlich oder sogar absurd. Die Menschen sollen näher gebracht werden. Menschen der AFD oder solche Leute wie Trump sollten nie unterstütz werden. Der Film berührt durch seine Ehrlichkeit und Schonungslosigkeit. Deshalb gab es nach der Ausstrahlung auch viele Talkshows und Politikerstatements zu diesem Thema.

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