Schachnovelle

Schachnovelle“ entführt uns in das Wien des Jahres 1938, eine Stadt am Rande des Umbruchs. Dr. Josef Bartok, ein Notar, wird von der raschen Machtübernahme durch die Nazis überrascht und inhaftiert. Er soll die Konten des österreichischen Adels preisgeben, widersteht jedoch den Forderungen der Gestapo. Im Hotel Métropole beginnt sein Martyrium, geprägt von Isolation und dem Kampf gegen die psychologische Kriegsführung der Nazis.

Dauer: 112 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Philipp Stölzl
Produzenten: Tobias Walker, Philipp Worm
Hauptdarsteller: Oliver Masucci, Birgit Minichmayr, Albrecht Schuch
Nebendarsteller: Clemens Berndorff, Samuel Finzi, Gerhard Flödl
Genres: Drama, Historienfilme, Thriller
Studio: Studiocanal
Sprachen: Deutsch, English

In seiner Einzelhaft findet Bartok eine ungewöhnliche Form der Ablenkung: ein Buch über Schach. Schach, das zuvor nie seine Aufmerksamkeit erregt hatte, wird nun zu seinem einzigen geistigen Zufluchtsort. Während er die Züge auf dem Boden seines Badezimmers nachspielt, entwickelt er eine tiefere Verbindung zum Spiel. Wird Bartok es schaffen, seine geistige Gesundheit zu bewahren, während er mit den Schatten seiner Realität kämpft?

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Philipp Stölzl führt Regie beim Drama „Schachnovelle„, das auf Stefan Zweigs Novelle basiert. Der Film zeigt, wie Dr. Josef Bartok, gespielt von Oliver Masucci, während des Zweiten Weltkriegs gegen psychologische Kriegsführung kämpft. Birgit Minichmayr tritt in den Rollen von Anna Bartok und einer amerikanischen Besucherin auf, während Albrecht Schuch als Franz-Josef Böhm und Schachmeister Mirko Czentovic zu sehen ist. Weitere wichtige Darsteller sind Moritz von Treuenfels und Carl Achleitner.

Die Produktion dieses Films fand an historischen Orten in Wien, Semmering, Potsdam, Berlin und München statt. Kameramann Thomas W. Kiennast und Cutter Sven Budelmann haben maßgeblich zur ästhetischen Umsetzung beigetragen. Trotz der geplanten Premiere im Januar 2021 verzögerte die COVID-19-Pandemie den Kinostart in Deutschland und der Schweiz bis September 2021.

„Schachnovelle“ erhielt mehrere Auszeichnungen und Nominierungen, darunter den Bayerischen Filmpreis für Produktion und Schauspiel. Bei den Deutschen Filmpreisen 2021 war der Film in Kategorien wie Beste Tongestaltung und Bestes Kostümbild nominiert. Auch international wurde er beim Österreichischen Filmpreis 2022 anerkannt, wo er Nominierungen für die beste Kamera und das beste Kostümbild erhielt.

Handlung und Story vom Film „Schachnovelle“

Im März 1938 gerät Dr. Josef Bartok in Wien unerwartet in die Fänge der NS-Machtübernahme. Als Notar verwaltet er die Vermögen des österreichischen Adels, was das Interesse der Gestapo, unter der Führung von Franz-Josef Böhm, weckt. Diese fordern von ihm die Zugangscodes zu den Auslandskonten. Trotz massiver Drohungen entscheidet sich Bartok, die Codes nicht preiszugeben und wird daraufhin in Isolationshaft genommen. Seine Frau Anna drängt er in letzter Minute zur Flucht, während er selbst in das umfunktionierte Hotel Métropole gebracht und dort eingesperrt wird.

Bartok verbringt eine unbestimmte Zeit in einem kleinen, trostlosen Hotelzimmer, abgeschnitten von jeglicher geistiger Stimulation. Sein Widerstand gegen die Preisgabe der Codes bleibt auch unter extremer Isolation stark. Ein zufälliger Umstand ermöglicht ihm den Zugang zu einem Buch mit Schachpartien, das sein Interesse weckt. Anfangs nutzt er Brotkrumen, um die Schachzüge auf dem Boden seines Badezimmers nachzuspielen. Als ihm dies genommen wird, beginnt er, die Partien in seinem Kopf durchzugehen, was seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Schachduell auf hoher See

Seine Besessenheit mit dem Schachspiel wird so groß, dass er während der Verhöre nur noch Schachzüge statt der geforderten Codes preisgibt. Selbst als ein Freund vor seinen Augen erschossen wird, bricht Bartoks Willen nicht. Als Strafe wird sein ohnehin schon spärlicher Lebensraum weiter eingeschränkt, indem ihm der Zugang zum Badezimmer und das Fenster vermauert werden. Bartok, der nun in fast völliger Dunkelheit lebt, wird schließlich nach einem Jahr harter Haft als unzurechnungsfähig entlassen. Er verlässt das Gefängnis unter dem Namen eines Schachmeisters.

Parallel dazu erleben wir Bartok unter der Identität Max van Leuwen auf einer Schiffsreise von Rotterdam in die USA. An Bord findet ein Schachturnier statt, bei dem er dem Schachweltmeister Mirko Czentovic gegenübertritt. Trotz anfänglicher Halluzinationen gelingt es Bartok, das Spiel zu gewinnen. Die gewonnene Armbanduhr erinnert ihn schmerzlich an seine eigene, die während seiner Gefangenschaft von den Nazis konfisziert wurde. Diese Sequenz unterstreicht Bartoks veränderten Zustand und seine kämpferische Haltung gegen das Vergessen.

Die letzte Szene des Films zeigt Bartok in einer psychiatrischen Anstalt, umgeben von der Illusion, von seiner Frau Anna besucht zu werden. Sie liest ihm aus der Odyssee vor, einem Buch, das er einst liebte, nun aber fremd erscheint. Dieser Moment symbolisiert Bartoks möglicherweise dauerhaften Verlust seiner geistigen Verfassung und der Verbindung zu seiner Vergangenheit. Der Film schließt mit einer offenen Frage nach der Realität von Bartoks Wahrnehmungen und seiner Identität.

Fazit und Kritik zum Film „Schachnovelle“

In Philipp Stölzls Adaption von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ weichen die malerischen Elemente eines klassischen Dramas einer düsteren Inszenierung psychologischen Leidens. Der Film verlagert den Fokus von einer traditionellen Erzählweise zu einem visuellen Feuerwerk der Emotionen, das die Zuschauer in die Tiefen der menschlichen Psyche zieht. Oliver Masucci brilliert als Dr. Josef Bartok, dessen Martyrium unter der Gestapo den Kern des Films bildet. Während das Drehbuch einige zeitliche Abfolgen ändert, bleibt die essentielle Thematik der Isolation und des geistigen Überlebenskampfes erhalten.

Das Spiel mit historischen und psychologischen Ebenen verleiht dem Film eine besondere Intensität. Die Szenen auf dem Schiff, die als Parallelhandlung dienen, sind besonders eindrucksvoll. Sie schaffen eine düstere Atmosphäre, die nicht nur durch den immer präsenten Nebel und Sturm unterstrichen wird, sondern auch durch die gespenstisch anmutenden Figuren. Diese stellen eine Brücke zur Vergangenheit und zu den ungelösten inneren Konflikten Bartoks dar. Hier zeigt Stölzl geschickt, wie er die äußere Reise mit der inneren Verarbeitung Bartoks verknüpft.

Schlussendlich vermittelt „Schachnovelle“ ein starkes Bild der Zerbrechlichkeit und Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes. Die opulente Ausstattung und die präzise Kameraführung ergänzen die erzählerische Schwere des Film. Trotz einiger Abweichungen von der literarischen Vorlage gelingt es Stölzl, die zentralen Themen des Originals beizubehalten und gleichzeitig eine moderne Interpretation zu bieten. Dieser Ansatz mag nicht jedermanns Sache sein, jedoch liefert er eine packende und nachdenklich stimmende filmische Erfahrung, die das Publikum sowohl fordert als auch fasziniert.

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