Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Im Herzen Europas, in einer Zeit, in der Märchen und Realität ineinanderfließen, entfaltet sich die Geschichte von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel„. Dieser Film, ein Juwel der tschechoslowakisch-deutschen Filmkunst, erzählt eine bekannte Geschichte auf eine einzigartige Weise. In dieser Version von Aschenputtel sind es keine guten Feen, sondern drei magische Haselnüsse, die das Schicksal der Heldin bestimmen. Diese Interpretation des klassischen Märchens bringt frischen Wind in die althergebrachte Erzählung.

Dauer: 83 Min.
Jahr:
Regie: Václav Vorlíček
Produzenten: Jirí Krejci, Heinz Herrmann
Hauptdarsteller: Libuše Šafránková, Pavel Trávníček, Carola Braunbock
Nebendarsteller: Rolf Hoppe, Karin Lesch, Dana Hlaváčová
Genre: Kinder & Familie
Studio: Viacom
Sprachen: Deutsch, English

Die Hauptfigur, Aschenbrödel, ist eine junge Frau voller Hoffnung und Stärke. Ihr Lebensweg, geprägt von Demut und Entschlossenheit, bildet den Kern dieser zauberhaften Geschichte. Umgeben von der rauen, aber schönen Landschaft eines winterlichen Europa, kämpft sie für ihr Glück. Die Stiefmutter und Stiefschwester, typische Antagonisten in Märchen, erschweren ihr diesen Weg. Doch Aschenbrödel lässt sich nicht unterkriegen. Ihr Mut und ihr Einfallsreichtum, unterstützt von den magischen Haselnüssen, führen sie zu einem unerwarteten, aber verdienten Glück.

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ entstand 1973 als tschechoslowakisch-deutsche Koproduktion. Der Film basiert auf dem Märchen „O Popelce“ von Božena Němcová und der Version der Gebrüder Grimm. Er gilt als Kultfilm und ist ein fester Bestandteil des Weihnachtsprogramms öffentlich-rechtlicher Sender. Regie führte Václav Vorlíček. Das Drehbuch stammt von František Pavlíček. Jirí Krejci und Heinz Herrmann zeichneten für die Produktion verantwortlich. Die Musik komponierte Karel Svoboda, während Josef Illík die Kameraarbeit übernahm. Für den Schnitt waren Miroslav Hájek und Barbara Leuschner verantwortlich.

In den Hauptrollen glänzten Libuše Šafránková als Aschenbrödel und Pavel Trávníček als Prinz. Weitere wichtige Rollen übernahmen Carola Braunbock als Stiefmutter, Rolf Hoppe als König und Karin Lesch als Königin. Daneben waren Dana Hlaváčová als Dora und Vladimír Menšík als Knecht Vinzek zu sehen. Der Film, mit einer Länge von 83 Minuten, erhielt die Altersfreigabe FSK 0. Er zählt zum Genre der Märchenfilme und besticht durch seine zeitlose Erzählweise.

Die Dreharbeiten fanden im Januar 1973 statt. Wichtige Schauplätze waren das Schloss Moritzburg bei Dresden, die Babelsberger Filmstudios und die Barrandov Studios in Prag. Weitere Drehorte lagen in der Tschechoslowakei, darunter das Wasserschloss Švihov und der Böhmerwald. Besonders bekannt ist die Szene, in der Aschenbrödel an der Treppe von Schloss Moritzburg ihren Schuh verliert.

Inhalt und Handlung vom Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

Aschenbrödel, nach dem Tod ihres Vaters verarmt, lebt unter dem Joch ihrer Stiefmutter und Stiefschwester Dora auf dem elterlichen Gutshof. Nur ihr treuer Schimmel Nikolaus, der Hund Kasperle und eine von der Eule Rosalie bewachte Schmuckschatulle bleiben ihr. Als Dienstmagd muss sie die Launen der herrischen Stiefmutter ertragen. Die Familie erhält Besuch vom Königspaar, das auf Durchreise ist. Durch Schmeicheleien sichern sich Stiefmutter und Dora eine Einladung zum Hofball. Dort soll Dora nach dem Plan ihrer Mutter das Herz des Prinzen erobern. Währenddessen genießt der Prinz lieber seine Freiheit im Wald als höfischen Pflichten nachzukommen.

Im Wald trifft Aschenbrödel auf den Prinzen. In schmutziger Kleidung wirft sie einen Schneeball auf ihn und verhindert so seinen Schuss auf ein Reh. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Aschenbrödel entkommt schließlich auf dem Pferd des Prinzen. Zurück auf dem Gutshof, ahnt niemand von ihrem Abenteuer. In der Zwischenzeit treffen Dora und ihre Mutter hektische Vorbereitungen für den Ball. Knecht Vinzek wird in die Stadt geschickt, um Kleidung und Schmuck zu besorgen. Auf dem Rückweg fallen ihm drei Haselnüsse zu, die Aschenbrödel als Geschenk erhält.

Magische Haselnüsse und ein Jagdgewand

Die Haselnüsse entpuppen sich als magisch. Aus der ersten Nuss erhält Aschenbrödel ein Jagdgewand. In dieser Verkleidung begegnet sie dem Prinzen erneut während der königlichen Jagd. Sie beeindruckt ihn mit ihren Schießkünsten und erhält einen Ring. Nachdem sie schnell verschwindet, erkennt der Prinz nicht, dass es sich um dasselbe Mädchen handelt. Die zweite Nuss birgt ein prachtvolles Ballkleid. Mit Hilfe der Tauben, die für sie Linsen und Mais trennen, kann Aschenbrödel den Ball besuchen. Sie trägt einen Schleier, um nicht erkannt zu werden.

Am Hofball sorgt Aschenbrödels Erscheinung für Staunen. Sie tanzt mit dem Prinzen, der sich sofort in sie verliebt. Aschenbrödel stellt ihm drei Rätselfragen, die auf ihre gemeinsamen Begegnungen anspielen. Der Prinz kann die Rätsel jedoch nicht lösen. Als Aschenbrödel den Ball verlässt, verliert sie ihren Schuh auf der Schlosstreppe. Der Prinz, entschlossen, sie zu finden, kommt schließlich zum Gutshof. Keiner der anwesenden Damen passt der Schuh. Erst als Aschenbrödel sich im Brautkleid zeigt, erkennt der Prinz sie.

Im prächtigen Brautkleid aus der dritten Nuss stellt sich Aschenbrödel dem Prinzen. Der Schuh passt ihr perfekt. Nun kann der Prinz das Rätsel lösen. Es waren seine drei Begegnungen mit Aschenbrödel. Zusammen reiten sie glücklich zum Schloss, die Zukunft vor Augen. Das Märchen endet mit der Vereinigung der beiden Liebenden.

Filmkritik und Rezension von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ unterscheidet sich von klassischen Märchenadaptionen durch sein unkonventionelles Konzept. Statt einer Fee nutzen magische Haselnüsse die Protagonistin, um sich Kleidung zu wünschen. Diese Idee erscheint simpel, doch sie prägt den Film entscheidend. Zwar könnte man Aschenbrödel als eine Art Schaufensterpuppe betrachten, die sich über Kleidung definiert. Jedoch offenbart diese Interpretation eine tiefere Ebene des Charakters. Sie nutzt die Nüsse nicht nur für materielle Zwecke, sondern auch um ihre Freiheit und Individualität zu betonen.

Im Gegensatz zu anderen Märchenfilmen ist Aschenbrödel hier nicht nur das passive Opfer ihrer Umstände. Sie zeigt Eigeninitiative, ist mutig und stellt ihre Fähigkeiten unter Beweis. Diese Charakterzüge machen sie zu einer bemerkenswerten und progressiven Figur. Der Prinz wiederum bricht mit der traditionellen Rolle. Er verhält sich unkonventionell und zeigt wenig Interesse an höfischen Pflichten. Diese Darstellungen verleihen dem Film eine moderne Note, die ihn von anderen Märchenadaptionen abhebt. Die Charaktere sind es, die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sehenswert machen.

Der Film mag nicht durch extravagante Ausstattung oder eine tiefgründige Handlung auffallen. Die Nebenfiguren wie die Stiefmutter und das Königspaar bleiben eher oberflächlich. Dennoch hat der Film seinen festen Platz in der Filmtradition gefunden. Er ist mehr als nur eine nette, vertraute Geschichte. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist ein Beispiel dafür, wie eine einfache Erzählung durch lebendige Charaktere und einen Hauch von Modernität zu einem kuscheligen und zugleich inspirierenden Märchen werden kann.

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