Anonymus

In den Tiefen der Theaterwelt schlummert ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das die Grundfesten der englischen Literaturgeschichte erschüttert. Roland Emmerich, bisher Meister des Spektakels und der grandiosen Zerstörung, nimmt uns mit „Anonymus“ in eine Epoche voller Rätsel und Intrigen. Er stellt eine gewagte Frage: Was, wenn William Shakespeare nicht der Autor seiner Meisterwerke war? Es sind die flüsternden Gerüchte und der leise Verdacht, der die Atmosphäre dieses Films prägt. Doch Emmerich geht es nicht nur um die Provokation.

Dauer: 124 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Roland Emmerich
Produzenten: Larry Franco, Robert Leger, Roland Emmerich
Hauptdarsteller: Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Joely Richardson
Nebendarsteller: Sebastian Armesto
Genre: Drama
Studio: Columbia Pictures
Sprachen: Deutsch, English

Sein neuestes Werk wirft einen frischen Blick auf die klassischen Dramen. Während die Bühne weiterhin von Applaus und Anerkennung hallt, verbirgt sich dahinter eine verwickelte Geschichte. Ein namenloser Autor, versteckt im Schatten des Ruhms, ringt mit der Wahrheit. Emmerich enthüllt diese faszinierende These mit der ihm eigenen Präzision und Dynamik. Und während sich das Publikum in den Bann dieser Theorie ziehen lässt, erzählt der Film von Macht, Eifersucht und der unsterblichen Kunst des Wortes.

Besetzung / Schauspieler, Drehorte und Regie

Roland Emmerich nahm 2011 das Ruder in der Regie des Historiendramas „Anonymus“ (Originaltitel: Anonymous) in die Hand. Unterstützt durch ein starkes Team, bestehend aus dem Drehbuchautor John Orloff und den Produzenten Larry J. Franco und Robert Leger, brachte er einen kontroversen Film auf die Leinwand. Klangvolle Musik von Thomas Wander und Harald Kloser begleitete die Szenerien, die durch Anna J. Foersters präzise Kameraarbeit zum Leben erweckt wurden. Für den Schnitt zeichnete Peter R. Adam verantwortlich.

Das Ensemble brillierte durch erstklassige Darbietungen. Rhys Ifans verkörperte Edward de Vere, während Jamie Campbell Bower den jungen Edward de Vere darstellte. Vanessa Redgrave und Joely Richardson übernahmen die Rollen von Königin Elizabeth I. in verschiedenen Lebensphasen. Sebastian Armesto trat als Ben Jonson in Erscheinung. Rafe Spall gab dem William Shakespeare sein Gesicht, während David Thewlis William Cecil spielte. Robert Cecil erhielt durch Edward Hogg Gestalt. Interessanterweise waren Derek Jacobi und Mark Rylance bereits vor der Entstehung des Films Unterstützer anti-stratfordianischer Theorien und hatten sich intensiv mit der Urheberschaftsfrage auseinandergesetzt.

Trotz des beeindruckenden Casts und Teams konnte „Anonymus“ kommerziell nicht überzeugen. Er spielte weltweit nur etwa die Hälfte seiner Produktionskosten von 30 Millionen US-Dollar ein. Der Ursprung des Drehbuchs stammt aus den späten 1990er Jahren, geriet jedoch nach dem Erscheinen von „Shakespeare in Love“ in Vergessenheit. Erst Emmerichs Entdeckung des Skripts brachte das Projekt wieder ins Rollen. Die Dreharbeiten fanden hauptsächlich im Studio Babelsberg statt, wo detailgetreue Kulissen wie das Globe-/Rose-Theater und ein Mittelalterdorf entstanden. Das Deutsche Filmorchester Babelsberg lieferte die musikalische Untermalung. Trotz der gemischten Kritiken bleibt „Anonymus“ ein Beispiel für Emmerichs Ambitionen, Geschichten mit historischem Hintergrund zu erzählen.

Zusammenfassung & Inhalt vom Film „Anonymus“

Im modernen New York kommt Derek Jacobi in ein Theater, wo er einen Monolog hält. Dieser Monolog thematisiert das mysteriöse Fehlen von Manuskripten von William Shakespeare. Trotz dieser Abwesenheit von Beweisen ist Shakespeare der unbestritten meistgespielte Dramatiker. Ben Jonson bereitet sich vor, auf die Bühne zu treten. Der Erzähler stellt eine verlockende Frage: Kann es eine andere Geschichte über die Entstehung von Shakespeares Stücken geben? Er bietet an, die Zuschauer durch eine Version voller Macht und Verrat zu führen.

Im elisabethanischen London rennt Ben Jonson durch die Straßen. Soldaten sind ihm dicht auf den Fersen. In einem Versuch, den wertvollen Inhalt zu schützen, betritt er das Theater The Rose. Er versteckt dort die Manuskripte, die er bei sich trägt. Soldaten setzen das Theater jedoch in Flammen. Im Tower of London wird Ben festgehalten und Robert Cecil verhört ihn intensiv. Die gesuchten Schriften von Edward de Vere, die Robert Cecil vermutet hatte, werden nicht gefunden. Doch die Frage bleibt: Wo sind sie?

Hastige Entscheidungen

Eine fünfjährige Rückblende entführt uns zu Edward. Er ist nun in Ungnade gefallen und vom Hofe verbannt. Königin Elisabeth I. nähert sich dem Ende ihrer Herrschaft. Sie hat keinen Erben, da sie unverheiratet geblieben ist. Die mächtigen Cecils lenken die Geschicke des Königreichs. Aber am Hof braut sich Unruhe zusammen. Eine Gruppe unzufriedener Adliger, angeführt von Robert Devereux, versucht, ihre Macht zu festigen. Edward warnt vor hastigen Entscheidungen, um größeres Chaos zu vermeiden.

Bei einem Theaterbesuch erlebt Edward die Macht der Bühne. Er sieht, wie ein Stück die Herzen der Menschen berührt. Edward erkennt darin ein Mittel gegen die Cecils. Als diese Bens Stück verbieten, kommt Edward ins Spiel. Er beauftragt Ben, ein von ihm geschriebenes Stück aufzuführen. Das Stück, Heinrich V., wird ein großer Erfolg. Doch der Ruhm geht an einen anderen: William Shakespeare, ein betrunkener Tölpel, beansprucht das Werk für sich. Der eigentliche Schöpfer bleibt im Schatten.

Durch ein Geschenk werden Erinnerungen an Edwards Jugend wach. Er wurde von den Cecils erzogen und musste seine Leidenschaft fürs Schreiben geheim halten. Eine Affäre mit der Königin, ein uneheliches Kind und Intrigen prägen diese Jahre. Schließlich wird er vom Hof verbannt, nicht ohne ein dunkles Geheimnis zu entdecken. Später versucht Edward, mit seinen Stücken gegen die Cecils zu agieren. Doch Intrigen, Verrat und Mord drohen seine Pläne zu durchkreuzen. Am Ende steht eine schockierende Enthüllung über seine wahre Herkunft.

Das Versprechen

Edwards Stücke sind weiterhin ein Erfolg, obwohl Shakespeare den Ruhm einstreicht. Die Cecils können die Stücke nicht stoppen, aus Angst vor dem Volkszorn. Ben ist unzufrieden mit seiner Rolle im Schatten. Shakespeares Betrug wird enttarnt, er erpresst Edward. Christopher Marlowes Tod wirft weitere Fragen auf. Ein Plan, die Machtbalance zu kippen, wird in die Tat umgesetzt. Ein Theaterstück soll die öffentliche Meinung beeinflussen. Doch die Intrigen sind schwer zu durchschauen, und Verrat lauert an jeder Ecke.

Die Geschichte neigt sich ihrem Ende zu. Nach Elisabeths Tod wird James I. von England König. Edwards letzte Tage sind geprägt von einem Wunsch: Dass seine Werke die Zeit überdauern. Er vertraut Ben seine Manuskripte an, in der Hoffnung auf posthume Anerkennung. Doch der Verrat von Ben bringt weitere Komplikationen mit sich. Trotz allem respektiert Ben Edward und sein Talent. Er erkennt die wahre Größe von Edwards Werk. Er verspricht, die Stücke für die Nachwelt zu erhalten.

In einem abschließenden Akt voller Dramatik offenbart der Erzähler die letzten Wendungen. Trotz der politischen Intrigen und Verschwörungen sind Edwards Stücke unsterblich. Shakespeare kehrt nach Stratford zurück und lebt als Geschäftsmann. Ben erreicht schließlich die Anerkennung, die er sich immer gewünscht hat. Und obwohl die Ereignisse der Vergangenheit in den Annalen der Geschichte festgehalten sind, ist das wahre Vermächtnis des wahren Autors zeitlos. Seine Werke leben weiter, solange Worte gesprochen werden.

Filmkritik und Rezension von „Anonymus“

Roland Emmerich, bekannt für kinematographische Zerstörungskunst, schlägt mit „Anonymus“ eine überraschende Richtung ein. Jedoch gerät er in diesem Historiendrama, das provokant die Autorenschaft Shakespeares infrage stellt, in ein Labyrinth aus Handlungssträngen und Zeitebenen. Trotz eines bescheidenen Budgets und der Abkehr von gewohnten Spezialeffekten scheint Emmerichs Maxime, dass „weniger mehr ist“, hier in Vergessenheit geraten zu sein.

Die verschlungenen Intrigen in „Anonymus“ erfordern von den Zuschauern volle Aufmerksamkeit. Zuweilen verliert man sich in den aneinandergereihten Rückblenden, die den Film durchziehen. Und während das Konzept eines adeligen Autors hinter Shakespeare durchaus fesselnd ist, stößt die komplexe Handlung den einen oder anderen vor den Kopf.

Das Herzstück des Films ist zweifelsohne die Performance von Rhys Ifans als der vermeintliche wahre Shakespeare. Die dargestellte Diskrepanz zwischen dem gefeierten Schauspieler und dem leidenden Adligen ist berührend. Doch trotz beeindruckender schauspielerischer Leistungen, insbesondere von Ifans, verliert sich der Film zu oft in höfischen Ränkespielen. Emmerichs Historiendrama zeigt somit zwar brillante Momente, könnte jedoch von einer Straffung profitieren.

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