Du hättest gehen sollen

In „Du hättest gehen sollen“ trifft ein scheinbar idyllischer Familienurlaub auf unerklärliche Phänomene, die das Leben der Hauptfiguren auf den Kopf stellen. Dabei unternimmt der Film den ambitionierten Versuch, Elemente des Dramas mit denen des Horror-Genres zu verbinden. Eingebettet in eine bildgewaltige Kulisse und hochwertige Produktion, führt die Handlung die Zuschauer in ein mysteriöses Ferienhaus, wo die Grenzen zwischen Realität und Albtraum verschwimmen. Diese vielversprechende Kombination hat das Potenzial, sowohl Drama- als auch Horror-Fans anzusprechen.

Dauer: 93 Min.
FSK: ab 16 Jahren
Jahr:
Regie: David Köpp
Produzenten: Kevin Bacon, Dean O’Toole, Jason Blum
Hauptdarsteller: Kevin Bacon, Amanda Seyfried, Avery Essex
Nebendarsteller: Colin Blumenau, Lowri Ann Richards
Genres: Horror, Thriller
Studio: Universal Pictures, Blumhouse Productions
Sprachen: Englisch, Deutsch

Unter der Regie von David Köpp und mit einem Star-Ensemble um Kevin Bacon, Amanda Seyfried und Christian Bale hätte man durchaus ein cineastisches Meisterwerk erwarten können. Doch trotz der hohen Erwartungen und der offensichtlichen Fachkompetenz aller Beteiligten bleibt das Endprodukt hinter seinem vollen Potenzial zurück. Dies liegt vor allem an einer Story, die zwar interessante Ansätze bietet, aber nicht in die Tiefe geht. Letztlich bleibt der Film ein solides Werk, das jedoch die Chance verpasst, sich als unvergesslicher Klassiker zu etablieren.

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Erschienen im Jahr 2020, nimmt „Du hättest gehen sollen“ seine Zuschauer mit auf eine 93-minütige Reise durch eine dunkle und komplexe Welt. Regie und Drehbuch stammen von David Köpp, einem erfahrenen Filmemacher, der sich hier für einen anspruchsvollen Psycho-Horrorfilm entschieden hat. Das Werk basiert auf dem gleichnamigen Buch von Daniel Kehlmann aus dem Jahr 2017. In den Hauptrollen glänzen Kevin Bacon als Theo Conroy und Amanda Seyfried als Susanna, während Avery Essex, Colin Blumenau und Christian Bale in Nebenrollen zu sehen sind. Für die Musik zeichnet Geoff Zanelli verantwortlich, und die Kameraarbeit übernahm Angus Hudson.

Hinsichtlich der Produktion war der Film ein bemerkenswertes Projekt. Jason Blum, Dean O’Toole und Kevin Bacon selbst fungierten als Produzenten. Das Produktionsbanner Blumhouse Productions von Jason Blum stand hinter dem Film, was eine hohe Qualität verspricht. Interessanterweise wurde der Film ursprünglich für einen Kinostart geplant. Die Umstände führten jedoch dazu, dass Universal Pictures ihn am 18. Juni 2020 digital über Premium VOD veröffentlichte. Daher konnten die Zuschauer das Werk bequem von zu Hause aus erleben.

Die Kritikermeinungen zum Film fielen gemischt aus, was die komplexen Themen und die hochwertige Produktion nicht schmälert. Der Film erhielt eine Altersfreigabe von FSK 16 und schaffte es trotz der digitalen Veröffentlichung, eine breite Zuschauerschaft anzusprechen. Derek Ambrosi sorgte mit seinem Schnitt für einen stringenten Erzählfluss, der die Zuschauer bei der Stange hält. Insgesamt stellt „Du hättest gehen sollen“ eine vielschichtige, wenn auch polarisierende, filmische Erfahrung dar.

Inhalt und Handlung vom Film „Du hättest gehen sollen“

Theodore Conroy, ein pensionierter Banker, erlebt eine düstere Familienidylle. Verheiratet mit Susanna, einer jüngeren, erfolgreichen Hollywood-Schauspielerin, und Vater einer Tochter namens Ella, scheint sein Leben perfekt. Doch die Eifersucht quält ihn. Er verdächtigt Susanna, ihn zu betrügen. Ein Urlaub soll Abhilfe schaffen. Die Familie entscheidet sich für ein Ferienhaus in Wales. Schnell merken sie, dass etwas mit dem Haus nicht stimmt: Die Zeit verfliegt und Albträume plagen alle. Mysteriös ist auch, dass keiner sich daran erinnern kann, die Buchung getätigt zu haben.

In der Nähe des Hauses erfährt Theo mehr über seine ominöse Unterkunft. Ein lokaler Ladenbesitzer gibt ihm ein Zeichendreieck und rät ihm, die Winkel des Hauses zu messen. Zur gleichen Zeit bemerkt Ella nächtliche Schatten an der Wand. Besorgt fragt sie ihre Mutter, warum die Menschen ihren Vater nicht mögen. Susanna enthüllt widerwillig, dass Theos erste Frau ertrunken ist. Obwohl Theo freigesprochen wurde, haftet der Verdacht an ihm, sie ermordet zu haben.

Theo’s irreversible Reise in ein Haus der Albträume

Theos Misstrauen gegenüber seiner Frau wächst. Während Susanna badet, durchstöbert er ihre Nachrichten. Er findet Hinweise auf eine Affäre. Parallel dazu entdeckt er in seinem Meditationstagebuch die Botschaft: „Du solltest gehen. Geh jetzt.“ Theo stellt Susanna zur Rede. Sie gesteht die Affäre und verbringt die Nacht in einem Gasthaus in der Stadt. Währenddessen findet Theo in seinem Tagebuch eine weitere Warnung: „Du hättest gehen sollen. Jetzt ist es zu spät.“

Eine weitere gruselige Entdeckung verstärkt die Spannung. Theo und Ella messen die Küche und stellen fest, dass sie innen größer ist als außen. Plötzlich werden sie getrennt und erleben verstörende Visionen. In Panik ruft Theo Susanna an, doch ihr Telefon ist aus. Er kontaktiert den Ladenbesitzer, der ihm sagt, es gebe keine Taxis und der Teufel sammle im Haus Seelen. Verzweifelt versuchen Theo und Ella, zu Fuß in die Stadt zu gelangen. Doch sie landen immer wieder beim Haus. Resigniert verbringen sie dort eine weitere Nacht.

Am nächsten Tag kehrt Susanna zurück. Theo enthüllt die Wahrheit über den Tod seiner ersten Frau: Er hat nicht geholfen, als sie ertrank. Er gibt Susanna Ella und akzeptiert, dass er in diesem Haus gefangen ist. Schließlich realisiert er, dass er der Schatten war, der sie in der vorherigen Nacht beobachtet hat. Er hatte versucht, sein früheres Ich durch die Nachrichten im Tagebuch zu warnen. Der Ladenbesitzer äußert, dass manche Menschen das Haus nie verlassen, denn „der Ort findet sie sowieso.“ Und so bleibt Theo als Geist im Haus zurück, während seine Familie mit den Konsequenzen leben muss.

Filmkritik und Rezension von „Du hättest gehen sollen“

Du hättest gehen sollen“ versucht, das Beste aus den Genres Drama und Horror zu vereinen, bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Während Filme wie „Hereditary“ die Verschmelzung dieser beiden Kategorien meisterhaft vollzogen haben, verfehlt der vorliegende Streifen das Ziel in beiden Disziplinen. Das Kernthema, das durchaus das Potenzial für eine tiefgehende Auseinandersetzung besitzt, wird lediglich an der Oberfläche behandelt. Ähnlich verhält es sich mit dem Horror-Element; der Film erreicht weder emotionale Tiefe noch schafft er es, den Zuschauer ernsthaft zu erschrecken. Daher bleibt das Ganze hinter den Möglichkeiten zurück.

Optisch präsentiert sich der Film zwar hochwertig, aber er wirkt routiniert und etwas bieder. Es fehlt das gewisse Etwas, das einen guten Horror-Thriller von einem durchschnittlichen unterscheidet. Die Professionalität der Crew und des Casts ist unübersehbar, doch die filmische Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Geschichte und die Charaktere eigentlich genug Raum für innovative Ideen und emotionale Tiefe bieten würden. In dieser Hinsicht enttäuscht der Film und lässt die Zuschauer unbefriedigt zurück.

Kurzum, „Du hättest gehen sollen“ ist ein Film, der mit großen Ambitionen an den Start geht, aber auf halber Strecke stecken bleibt. Er entfaltet weder die erzählerische Tiefe, die man von einem Drama erwarten würde, noch den Nervenkitzel eines gelungenen Horrorfilm. So bleibt am Ende das Gefühl, dass hier eine Chance vertan wurde, ein wirklich eindrucksvolles Werk zu schaffen, das in beiden Genres überzeugen könnte.

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