Ocean´s Eleven, Haus des Geldes & Co: Warum begeistert uns das Heist-Genre so sehr

Eigentlich sollte uns der Atem vor Empörung stocken, wenn Gauner sich anschicken, ein Casino oder die Bank auszurauben. Stattdessen sitzen wir vor dem Fernseher und fiebern mit den meist sympathischen Hauptcharakteren der Heist-Filme mit.

Das Genre der Heist-Filme genießen

Es erinnert fast ein wenig an das Spiel im Casino, wenn wir nur Zuschauer sind. Spannung, Atemlosigkeit und authentisches Mitfiebern machen die zwei Stunden Film so mitreißend, dass uns kaum noch etwas von der Szenerie trennt. Heist-Filme sind oft so gestaltet, dass sie den Zuschauer ins Geschehen einbinden. Das ist aber nur einer der Gründe, warum sie so beliebt sind.

Verbotene Aktivitäten aus nächster Nähe genießen

Die meisten von uns werden wohl in ihrem Leben niemals eine Bank ausrauben und auch nie mit einem solchen Überfall in Berührung kommen. Dennoch weiß jeder, was es bedeutet, wenn Männer und Frauen mit Sturmmasken die Filiale betreten und die Angestellten zum Öffnen des Tresors nötigen. Ganz so einfach funktioniert der „Heist“ in Filmen wie Ocean’s Eleven allerdings nicht. Hinter jedem dieser inszenierten Überfälle steckt präzise Planung eines Teams, das sich den ganz großen Coup zur Aufgabe gemacht hat. Es fühlt sich aufregend an, ein Teil des Ganzen zu sein und die Pläne schon zu kennen, bevor es die Bankangestellten im Film tun.

Manch ein Zuschauer träumt vielleicht sogar davon, selbst ein Teil von Danny Ocean’s Team zu sein und nach einem gelungenen Überfall mit Millionen im Gepäck auf die Bahamas zu entschwinden. Natürlich würden wir solche Träume nie in die Tat umsetzen, beim Zuschauen ist die Fantasie aber frei. Das erhöht den Nervenkitzel und wir beginnen unbewusst mitzufiebern, dass der Bankraub auch wirklich gelingt.

Überraschungsmomente und Wendungen erhöhen die Spannung der Heist-Filme

Überraschungsmomente und Wendungen erhöhen die Spannung Manche Filme sind so vorhersehbar, dass wir nach den ersten 30 Minuten schnarchend auf dem Sofa liegen. Das Heist-Genre zeigt, dass es auch anders geht. Immer wenn der geneigte Zuschauer glaubt zu wissen, was als nächstes passiert, wird es garantiert anders. Die hohe Vielzahl an Überraschungsmomenten und Wandlungen sorgt dafür, dass Langeweile beim Heist keine Chance hat.
 
Es gibt gute Gründe, warum von Ocean’s 11 sogar noch weitere Teile gedreht wurden. Zwei Stunden reichen einfach nicht, um eine Geschichte vollkommen auszuerzählen. Da der Zuschauer mit den Charakteren sympathisiert, möchte er wissen, wie es nach dem Erfolg weitergeht. Um diesen Effekt zu erreichen, müssen Regisseure auf eine Story setzen, die nicht vorhersehbar ist.

Robin-Hood-Aktivismus wird getriggert

Zu den zehn erfolgreichsten Serien auf Netflix gehört Haus des Geldes, die direkt dem Heist-Genre entstammt. Die Beliebtheit dieser Serie lässt sich nicht nur mit dem Spannungsbogen erklären, sondern auch mit dem sogenannten Robin-Hood-Syndrom. Der Held nahm von den Reichen und verteilte es unter den Armen. Ähnlich lässt sich die Geschichte der Serie interpretieren, wenn auch nur ganz entfernt. Es geht nicht einfach nur um einen Bankraub und den großen Millionencoup. Die Akteure der Serie rauben das vorhandene Geld nicht, sondern drucken ihr eigenes. Damit wird dem Wirtschaftssystem der „Stinkefinger“ gezeigt, die Bedeutungslosigkeit von Geld stilisiert, da es jederzeit reproduzierbar ist.

Solche komplexen Handlungen und vor allem die deutliche Ablehnung eines bestehenden Systems stoßen beim Zuschauer auf offene Ohren. Viele Menschen sind unzufrieden mit Regierungen, mit den Schattenseiten des Kapitalismus und können offenherzig mitfiebern, wenn die Rebellen dagegen vorgehen.

Charismatische Charaktere erwecken Sympathien beim Zuschauer

Was ist eigentlich Sympathie? Die Frage stellen wir uns spätestens dann, wenn wir dieses positive Gefühl gegenüber der größten Gauner im Film empfinden. Wie ist es möglich, dass wir auf der Seite von Danny Ocean und seiner Crew stehen, anstatt die Daumen für die Ordnungshüter zu drücken? Hinter diesem Effekt steckt die hohe Kunst der Filmindustrie. Die Macher sind in der Lage, durch die Art der Story, einzelne Geschichten der Figuren und das Gesamtbild Sympathie zu erzeugen, die wir im realen Leben vermutlich nie spüren würden.

Ja, wir stehen hinter Rusty Ryan und Danny Ocean, wir drücken ihnen die Daumen, dass der Rubel rollt. Und das ist erlaubt, denn es handelt sich nur um einen Film. Selbstverständlich möchten wir auch nicht, dass der Professor beim Heist jemals ertappt wird und wir wünschen uns, dass Rio, Berlin und Tokyo mit der neu gedruckten Kohle ihren Frieden finden. Vielleicht ist es genau diese Fähigkeit, mit dem Bösen zu fiebern, die den „Heist-Film“ so beliebt macht.

Das Heist-Genre: Eintauchen in eine Fantasiewelt ohne Reue

Eintauchen in eine Fantasiewelt ohne Reue Die Welt von Ocean’s Eleven ist eine andere als die, in der wir jeden Morgen aufstehen, zur Arbeit gehen und uns am Ende des Monats über das geringe Nettogehalt ärgern. Es ist eine Welt voller Luxus, Abenteuer, Drama und Nervenkitzel. Obwohl kaum jemand bei diesem Film im Sessel einschlafen wird, ist das Abtauchen in die Fantasiewelt ein Moment der Erholung.
 
Hier ist alles erlaubt, kein Gedanke zu böse und zu abwegig. Ein bisschen ist es wie im Fight-Club, auch wenn es sich dabei nicht um einen Heist-Movie handelt.
 
Was im Film passiert, bleibt im Film – und solange dieser läuft, dürfen wir ein Teil davon sein und uns in der Fantasiewelt munter weiterbewegen.

Mehr als nur Ocean´s Eleven – Heist-Movies haben lange Tradition

Zugegeben, Danny Ocean ist untrennbar mit dem Heist-Genre verbunden, es gibt aber noch deutlich mehr Filme, die in diese Rubrik gehören. Humorliebhaber finden bei Grand Budapest Hotel jede Menge Stoff für die Lachmuskeln. Wenn es eine Reise in die Vergangenheit sein darf, ist der erste große Eisenbahnraub ein sehr sehenswertes Werk. Und alle „Ocean-Liebhaber“ müssen nach „11“ auch nicht die Flinte ins Korn werfen. Immerhin gibt es da noch 8, 12 & 13, die erneut zum Mitfiebern einladen.

Fazit: Heists sind aus verschiedenen Gründen beliebt

Der Heist ist ein Ereignis, das wir nie erleben und es trotzdem immer wieder planen. Zumindest, wenn wir vor dem Fernseher sitzen und den Hauptcharakteren der Heist-Filme bei ihrem großen Coup zuschauen. Manche Pläne sind von Anfang an so schräg, dass wir es als geneigter Zuschauer besser wissen. „Mach das anders“ würden wir am liebsten laut rufen, doch es hört uns keiner. Am Ende geht es aber fast immer gut aus für die Gauner, denn darauf legen die Zuschauer wert. Kaum ein Heist-Fan würde wollen, dass am Ende die Polizei gewinnt und die Gangster hinter Schloss und Riegel wandern.

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