Männerleiden bei Trennung: Ein Blick hinter den Vorhang beim Männerkongress 2012

Trennungen und Scheidungen sind leider keine seltenen Ereignisse. Betroffene können darunter sehr leiden. Gesellschaftlich geht der Blick dabei aber oft auf Frauen und Mütter, deren Leiden als selbstverständlich angenommen wird, während Männer eher in den Hintergrund rücken. Dass auch Väter und Jungen unter solchen persönlichen Ereignissen stark leiden können, ist zwar nicht unbekannt, dennoch aber gesellschaftlich weniger verankert. Genau diese Thematik wurde daher jetzt beim zweiten Männerkongress besprochen, der an der Universität Düsseldorf stattgefunden hat.

Der Männerkongress 2012 in Düsseldorf

Unter dem Motto “Scheiden tut weh” wurden die Auswirkungen besprochen, die Trennungen auf das männliche Geschlecht haben können. Dabei zeigt sich deutlich, dass noch viel Luft nach oben ist, was die gesellschaftliche Akzeptanz angeht. Es gilt Aufklärungsarbeit zu leisten, was auf Basis wissenschaftlicher Arbeit geschehen kann. Einen Rückblick zum Männerkongress 2012 gibt es in diesem Artikel.

Der Männerkongress 2012 an der Universität Düsseldorf

Wie gehen eigentlich Männer und Jungen mit Trennungen und Scheidungen um? Genau dieser Frage ist man jetzt auf dem Männerkongress 2012 nachgegangen, der in Düsseldorf an zwei Tagen stattgefunden hat. Dafür hat man an der Universität Düsseldorf die beiden Tage vom 21. und 22. September 2012 ausgesucht. An dem verschiedene Vorträge gehalten wurden, die das Thema aus verschiedenen Aspekten behandelten. Nach wie vor ist es beispielsweise so, dass in den meisten Sorgerecht-Streitereien die Mütter als Sieger hervorgehen. Einen ersten Grund kann man darin sehen, dass es mit einem gesellschaftlichen Bild zusammenhängt, durch das Männer systematisch benachteiligt werden.

Alleine dieser Umstand sorgt dafür, dass Männer in der Regel einer anderen Situation ausgesetzt sind, die aber nicht spurlos an ihnen vorbeigeht. Daher ist die Wissenschaft und Gesellschaft gefragt, einen genaueren Blick auf Männer und Jungs zu werfen und ihr Leiden, das aus einer Trennung entstehen kann. Dafür hat man auf dem Männerkongress das Thema auf vielfache Weise betrachtet, um auch die Folgen für die Kinder zu analysieren. Das geschah aus juristischer, soziologischer, medizinischer, psychoanalytischer, psychologischer und historischer Sicht. Aufgerufen wurde zu einem Dialog, um ergebnisoffen über die Inhalte sprechen zu können.

Veranstaltet wurde der Kongress von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem Klinischen Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Als Praxispartner waren die Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf und der agens e.V. mit an Bord. Parallel zu der Veranstaltung wurde das Buch “Neue Männer – muss das sein?” beworben. Das von Matthias Franz und André Karger im letzten Jahr herausgegeben wurde. Ferner wurden Vorträge in diesem Jahr gefilmt. Die Mitschnitte sind auf einer DVD erhältlich, die über ein Online Formular bestellt werden kann.

Das Programm des Männerkongresses in Düsseldorf

Das Programm des Männerkongresses in Düsseldorf Über zwei Tage dauerte der Kongress an, der verschiedene Vorträge und Veranstaltungen bereithielt. Los ging es am Freitag um 13 Uhr mit der offiziellen Begrüßung. Im Anschluss gab es zwei Vorträge zum Thema “Erkundungen des Themas aus männlicher Sicht”. Zunächst sprach Prof. Martin Dinges vom Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart zum Thema der “Kulturgeschichte der Trennung”. Danach folgte André Karger von der Universität Düsseldorf mit “Psychoanalyse der Trennung”.
 
Nach einer Pause ging es mit “Die Väter” von Prof. Gerhard Amendt von der Universität Bremen und “Die Jungen” von Prof. Matthias Franz weiter. Unter dem Block “Trennungserleben und Folgen aus kindlicher Sicht” ging es mit den Beiträgen “Innere Welt von Kindern Alleinerziehender” von Prof. Frank Dammasch von der Universität Frankfurt und “Auswirkungen früher Trennungen” von Dr. Rainer Böhm vom Sozialpädiatrischen Zentrum Bielefeld weiter. Zum Abend folgten drei unterschiedliche Veranstaltungen. Zum einen ein Get-Together, außerdem eine Großgruppe mit gruppenpsychoanalytischer Begleitung und eine Filmvorführung von “Der Tintenfisch und der Wal.” Am nächsten Tag ging es direkt morgens weiter.

Programm am Samstag

Um 9 Uhr gab es den Block “Trennung ohne Ende?”, in dem zwei Vorträge gehalten wurden. Einmal “Die Gesundheit von Jungen in Ein-Eltern- und Stieffamilien – Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS” von Robert Schlack vom Robert-Koch-Institut Berlin und “Begutachtung und elterliche Gleichheit im Familienrecht – kein Ruhmesblatt der Psychologie” von Prof. Uwe Jopt von der Universität Bielefeld. Nach einer Pause ging es mit den beiden Blöcken “Rechtliche Aspekte bei hochstrittigen Trennungen” und “Prävention und Hilfen – auch für Jungen und Väter” weiter. Zum Abschluss gab es noch “Im Fokus: Trennungsfolgen für Jungen und Männer”.

Fazit zum Männerkongress 2012 in Düsseldorf

Eine Trennung oder gar Scheidung ist nie einfach, vor allem wenn Kinder involviert sind. In diesen Fällen zeigt sich allerdings leider eine klare Tendenz, durch die Männer und Jungen benachteiligt werden, die auf besondere Weise unter diesen Situationen leiden. Gesellschaftlich und politisch wird diese Problematik selten erfasst, was verschiedene Gründe hat.
 
Wichtig ist es aber dennoch, wie jetzt auf dem Männerkongress 2012 in Düsseldorf erarbeitet wurde, diese Thematik in den Fokus der Politik zu stellen, um in Zukunft geeignete Maßnahmen zu treffen, die für ein Gleichgewicht sorgen. Es geht nicht darum, ein Geschlecht über das andere zu stellen, sondern beiden eine faire Grundlage zu bieten. Für Kinder gilt, dass deren Wohlergehen im Vordergrund stehen muss. Mit all deren Bedürfnisse, die bei Mädchen und Jungs unterschiedlich sein können.

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