Peter Wawerzinek: Portrait des deutschen Schriftstellers

Rein fiktionale Literatur gibt es selten. Zumindest nicht, wenn sie von einer gewissen Qualität ist. Denn in jedem guten Werk stecken auch die Gefühle und Erfahrungen des Autors und nicht selten können jene die spannendsten und bewegendsten Geschichten erzählen, die sie selbst durchlebt haben. Durchlebt hat Peter Wawerzinek einiges, denn schon in seiner Kindheit begann für ihn ein Kampf um Identität, Herkunft und Sinnsuche. Schon mit vier Jahren wurden er und seine Schwester von den Eltern in einer Rostocker Wohnung zurückgelassen, wo sie erst nach fünf Tagen gefunden wurden. Von da an begann eine für Wawerzinek intensive Reise mit vielen Lebensstationen, die allesamt prägend werden sollten.

Portrait des Schriftstellers Peter Wawerzinek

Schon früh fand er den Weg zur Kunst und schließlich zur Literatur. Der große Durchbruch gelang schließlich im Alter von 57 Jahren, als sein Werk “Rabenliebe” mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde. Wer ist dieser Künstler, dessen Werke so autobiografisch geprägt sind? Alles zu Peter Wawerzinek und seinen Werken gibt es in diesem Fundgrube Artikel zu erfahren.

Biografie von Peter Wawerzinek

Biografie von Peter Wawerzinek

Der im September 1954 in Rostock geborene Peter Wawerzinek ist eigentlich als Peter Runkel auf die Welt gekommen, doch es gibt Gründe, warum er seinen Nachnamen abgelegt hat. Er und seine Schwester wurden 1957, also in sehr jungen Jahren, von den Eltern verlassen. Während die Eltern in den Westen flohen, wurden die beiden Kinder in der Wohnung zurückgelassen, wo sie erst nach fünf Tagen verwahrlost gefunden wurden. Von da an ging es für die beiden getrennt ins Kinderheim. Lange Zeit wusste Wawerzinek nicht, dass er eine Schwester hat. Zehn Jahre verbrachte er in Kinderheimen, ehe er adoptiert wurde. Später machte er seinen Militärdienst in der Nationalen Volksarmee und zog schließlich Ende der siebziger Jahre nach Berlin.

Zwei Jahre lang studierte er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, brach dann aber ab und hielt sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser. In den achtziger Jahren begann seine künstlerische Laufbahn, unter anderem als Poet und auch als Performance Künstler. Er konnte sich in der Literaturszene eine Namen machen und sogar eine Lesetour durch die DDR machen. 1998 trat er dem PEN-Zentrum Deutschland bei. Dabei handelt es sich um eine Vereinigung von Schriftstellern – Poets, Essayists, Novelists. Nach der Wiedervereinigung begann er mit der Veröffentlichung verschiedener Texte, unter anderem auch Parodien.

Peter Wawerzinek schreibt in verschiedenen Fächern. Unter anderem auch als Journalist und Autor von Hörspielen. Unter anderem hat er auch schon Beiträge für den Tagesspiegel verfasst. 2010 wurde er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Sein Nachname leitet sich vom Wort “Wawrzynek” ab, das aus dem Polnischen stammt und die Pflanze Seidelbast bezeichnet, die auch für die Herstellung von Papier verwendet wird. Heute lebt der Schriftsteller in Magdeburg, nachdem er lange Zeit krank gewesen ist und zur Heilung des Magenkrebses sogar in ein künstliches Koma versetzt wurde. Magdeburg war eigentlich nur als Einlagerungsort für seine Sachen gedacht gewesen, doch jetzt lebt und arbeitet er dort. Ein neuer Roman ist schon in der Entstehung.

Die 5 wichtigsten Wawerzinek Bücher

Über die Jahre sind viele Werke von Wawerzinek erschienen. Vor allem in den letzten Jahren konnte er dabei noch einmal einige sehr beliebte Werke herausbringen.

Bücher von Peter Wawerzinek

Schluckspecht

Das Buch Schluckspecht  von Peter Wawerzinek Der Roman “Schluckspecht” ist 2014 erschienen, in dem es um die Liebe zum Alkohol geht, die viele Facetten kennt. Bei dem Rausch beginnt es und reicht bis zur Vernichtung des eigenen Selbst. Hier greift Peter Wawerzinek auf eigene Erfahrungen zurück und beschreibt, wie man in diesen Sumpf gerät, der aus so vielen verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt ist und immer tiefer führt. Es geht um Unsicherheiten, um Mutprobenen, um Frauen, Feiern und jede Menge Schnaps. Der Protagonist des Romans sinkt sehr tief in diesen Sumpf ein, kann sich aber schließlich auch wieder daraus befreien. Ein eindrückliches Werk.

Schluckspecht

Wawerzineks Raubzüge durch die deutsche Literatur

Wawerzineks Raubzüge durch die deutsche Literatur Die deutsche Literatur ist reichhaltig und kennt viele verschiedene Stile, Autoren und Werke. Das weiß auch Peter Wawerzineks, der früh damit angefangen hat, das Genre der Parodie für sich zu entdecken und in diesem viele verschiedene Werke und andere Autoren auf die Schippe zu nehmen. Eigentlich hat das eher als Fingerübung begonnen, doch über die vielen Jahre ist ein Sammelsurium zusammengekommen, das seinesgleichen sucht. Im Buch “Wawerzineks Raubzüge durch die deutsche Literatur” von 2011 kann man eine Auswahl der besten Texte finden und sogar in der Gegenüberstellung mit den originalen Werken. Peter Wawerzineks Talent, die Essenz bekannter Werke humorvoll zu entstellen, zeigt sich in seiner einzigartigen Fähigkeit, sowohl die Sprache als auch den Stil der Originale meisterhaft nachzuahmen.

Wawerzineks Raubzüge durch die deutsche Literatur

Rabenliebe

Rabenliebe 2010 erschien der Roman “Rabenliebe”, der schon länger in der Schublade Wawerzineks lag und auf Anhieb den Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 gewinnen konnte. Außerdem gab es auch den Publikumspreis für dieses Werk, das die Leser so sehr beeindruckt, da es ungeschönt aufzeigt, wie hart die Konfrontation mit der Vergangenheit und Herkunft sein kann. In diesem Fall besteht die Härte im autobiografischen Ansatz von Peter Wawerzinek und seiner Suche nach seiner leiblichen Mutter. Er findet sie Jahre nach dem Fall der Mauer, doch die Begegnung bringt nichts in Ordnung, ist ein einschlägiges Erlebnis für sich selbst. Einmal treffen sich Mutter und Sohn, dabei bleibt es. Im Anschluss beginnt der Autor mit den Arbeiten an diesem ausgezeichneten Roman.

Rabenliebe

Bin ein Schreiberling

Bin ein Schreiberling Der Titel dieses Buchs ist definitiv eine gute Beschreibung des Autors. 2017 erschien dieses Werk, in dem Wawerzinek über seine Profession spricht, die allerdings kein angeborenes Naturtalent gewesen ist. Er nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise, die viele verschiedene Stationen beinhaltet und die aufzeigen, dass sein Weg zum heute ausgezeichneten und beliebten Autor sicherlich kein einfacher war und in jedem Fall auch nicht geradlinig. Es gibt Berichte über eigene Erfahrungen, die auch Einblicke in den Betrieb der Literatur bieten. Und dieser Betrieb ist manchmal schonungslos und bringt seine ganz eigenen Stilblüten hervor. Viele Anekdoten und eine Selbstreflexion, die mit viel Humor daherkommt, machen “Bin ein Schreiberling” zu einem heiteren und spannenden Lesevergnügen.

Bin ein Schreiberling

Liebestölpel

Liebestölpel Buch von Peter Wawerzinek “Liebestölpel” ist ein Roman aus dem Jahr 2019 und beschreibt eine Situation, die wohl viele Menschen kennen dürften – man will irgendwie mit dem Phänomen Liebe zurechtkommen. Der Protagonist des Romans bekommt einen interessanten Rat zur Liebe, von der er sich doch lieber fernhalten soll. Doch wie es so im Leben kommt, gibt es eine Herzensdame, die dem jungen Mann ins Auge fällt. Doch statt Liebesglück gibt es nur Frust und entsprechend eine heftige Bruchlandung, die man als Leser mit einiger Lebenserfahrung wohl allzu gut nachempfinden kann. Ein etwas anderes Buch aus der Feder des Autors, aber mit ebenso poetischer Stilsicherheit geschrieben wie vorherige Arbeiten.

Liebestöpel

Auszeichnungen für Peter Wawerzineks Werke

Das Jahr 2010 gilt als großer Durchbruch für Peter Wawerzinek, allerdings hat der Schriftsteller auch schon vorher viele Jahrzehnte gearbeitet und das blieb auch von den Kritikern nicht unbemerkt. Schon 1999 gab es das Bertelsmann-Stipendium, das im Zuge des Ingeborg-Bachmann-Preises vergeben wird. Noch dazu konnte er sich auch damals schon über den Deutschen Kritikerpreis für Literatur freuen. Über die Jahre konnte Wawerzinek verschiedene Stipendien gewinnen. Unter anderem auch von den Städten Magdeburg, Jena und Dresden. 2019 führte ihn sein Weg in die Villa Massimo nach Rom. 2010 hat es den Ingeborg-Bachmann-Preis für “Rabenliebe” gegeben.

Fazit zum Portrait über Peter Wawerzinek

Wer die Bücher von Peter Wawerzinek liest, wird darin mit verschiedenen Themen konfrontiert. Unter anderem geht es oft um Erinnerungen und die Vergangenheit. Dabei schafft es der Autor immer wieder, sehr eindrückliche und bewegende Bilder durch seine Worte zu erschaffen, was sicherlich auch mit seinem Hintergrund zusammenhängt, der schon in frühen Jahren in Kinderheimen an der Ostsee begann. Wawerzinek hat sich dem Leben gestellt, hat immer wieder Schiffbrüche erlitten, stand aber wieder auf und hat vor allem früh mit dem Schreiben begonnen. Das hat zu vielen verschiedenen Werken verschiedener Gattungen geführt. Vor allem seine Romane erfreuen sich heute großer Beliebtheit.

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