This Ain’t California

In den grauen Straßen der DDR entfaltet sich eine bunte Rebellion auf vier Rädern. „This Ain’t California“ taucht tief in eine Welt ein, in der Skateboards nicht nur Sportgeräte, sondern Symbole des Widerstands und der Freiheit sind. Marten Persiel, der Regisseur, führt uns auf eine Zeitreise in das Herz der ostdeutschen Skater-Szene. Er zeigt uns eine Jugend, die sich nicht beugen lässt, die auf den rauen Betonstraßen ihre eigenen Regeln schreibt.

Dauer: 95 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Marten Persiel
Produzenten: Ronald Vietz, Michael Schöbel
Hauptdarsteller: Kai Hillebrand, David Nathan, Titus Dittmann
Nebendarsteller: Nora Decker, Gott Gottschild
Genres: Dokumentation, Drama
Studio: Wildfremd Production GmbH
Sprachen: Deutsch

Die Hauptfigur, Denis Paraceck, genannt Panik, verkörpert den Geist dieser Bewegung. Sein tragischer Tod in Afghanistan wird zum Auslöser für ein Wiedersehen seiner alten Skateboard-Clique. In einer Berliner Industriebrache, umgeben von Erinnerungen und Melancholie, erzählen sie ihre Geschichten. Geschichten von Rebellion, Freundschaft und der unvergleichlichen Freiheit, die sie auf ihren Brettern fanden.

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

This Ain’t California“ aus dem Jahr 2012 ist ein fiktionaler Dokumentarfilm, der das Publikum in eine Zeitreise durch die Skater-Szene Ostdeutschlands entführt. Regisseur Marten Persiel, der auch am Drehbuch mitwirkte, präsentiert den Film als „dokumentarische Erzählung“. Mit einer Laufzeit von 96 Minuten und einer Altersfreigabe von FSK 12, kombiniert der Film Super-8-Filmsequenzen, Interviews, Archivmaterial wie Fernsehsendungen und Animationen mit nachgestellten Szenen. Ein bemerkenswertes Detail: Ein Teil des Films, einschließlich der Nullkopie, wurde durch Crowdfunding finanziert.

Die Hauptfigur, Denis Paraceck, dargestellt von Kai Frederik Hillebrand als Jugendlicher, ist zwar fiktiv, doch ihre Geschichte basiert auf den Biografien realer Personen. Neben ihm treten Nora Decker und Alexander Fabian Langlotz als jugendliche Charaktere auf, während Gotti Gottschild und David Nathan die erwachsenen Rollen übernehmen. Authentische Momente, wie die Bilder aus der Euroskate ’88 in Prag, vermischen sich mit fiktiven Elementen. So berichten echte Skater aus Ost- und Westdeutschland über die damalige Skater-Szene, während andere Szenen, wie das Interview mit einem ehemaligen MfS-Mitarbeiter, inszeniert sind.

Die kreative Crew hinter dem Film besteht aus talentierten Köpfen. Marten Persiel und Ira Wedel zeichneten sich für das Drehbuch verantwortlich, während Ronald Vietz und Michael Schöbel die Produktion übernahmen. Die musikalische Untermalung stammt von Lars Damm, Troy Von Balthazar und Johannes Tibursky. Felix Leiberg führte die Kamera und das Schnittteam bestand aus Maxine Goedicke, Toni Froschhammer und Bobby Good.

Inhalt und Handlung vom Film „This Ain’t California“

„This Ain’t California“ aus dem Jahr 2012, inszeniert von Marten Persiel, taucht tief in die Skater-Szene der DDR ein. Im Zentrum steht Denis Paraceck, genannt Panik. Sein tragischer Tod in Afghanistan 2011 ruft seine alte Skateboard-Clique zusammen. In einer Berliner Industriebrache erinnern sie sich am Lagerfeuer an alte Zeiten. Dieses Setting dient als Kulisse für Rückblenden, die ein alternatives Bild der DDR zeichnen.

Denis‘ Leidenschaft fürs Skaten beginnt in einem Magdeburger Plattenbauviertel. Gemeinsam mit Freunden baut er sein erstes Skateboard und übt täglich neue Tricks. Trotz des Missfallens seines Vaters, der ihn zum Leistungsschwimmer formen möchte, bleibt Denis seinem rebellischen Geist treu. Er sieht im Skaten eine Freiheit, die dem strengen DDR-Sportregime entgegensteht. Ein denkwürdiger Moment zeigt, wie Denis einen Schwimmwettkampf abrupt verlässt, symbolisch für seinen Bruch mit dem System.

Umzug nach Ost-Berlin

Die Geschichte nimmt eine Wendung, als Denis nach Ost-Berlin zieht. Zusammen mit seinem Freund Nico entdeckt er die Stadt als riesigen Skatepark. Die DDR-Skater-Szene, zu der sie gehören, mischt sich mit Breakdancern und Punks am Alexanderplatz. Obwohl sie nicht politisch agieren, geraten sie ins Visier der Staatssicherheit. Deren Misstrauen gegenüber dem nonkonformen Lebensstil der Jugendlichen bildet ein zentrales Spannungsfeld des Films.

Die DDR-Sportbehörden, die Skateboarding anfangs ablehnten, ändern ihre Strategie Mitte der 1980er Jahre. Sie versuchen, talentierte Skater wie Panik zu rekrutieren. Doch als diese Kontakte zur westdeutschen Skater-Szene knüpfen und eigenständige Meisterschaften organisieren, kippt die Stimmung. Nach einem Konflikt mit den Behörden landet Denis im Gefängnis. Er verpasst den Mauerfall und die Wiedervereinigung.

Nach seiner Entlassung ändert sich alles für Denis. Er verschwindet in den chaotischen Jahren nach der Wende. Erst sein Tod führt die alte Clique wieder zusammen. Der Film schließt mit der Frage, was wirklich geschah, und lässt Raum für Interpretationen.

Filmkritik und Rezension von „This Ain’t California“

Marten Persiels „This Ain’t California“ ist mehr als nur ein Dokumentarfilm. Er ist eine Hommage an die Jugend, an das Aufbegehren und an die Skaterkultur der DDR. Persiel schafft es, den Zuschauer in eine vergangene Ära zu entführen, indem er sich den Erinnerungen seiner Protagonisten hingibt. Dabei bleibt er nicht nur bei der Nostalgie, sondern zeigt auch die Brüche und Unvollkommenheiten dieser Zeit.

Das Skateboarden in der DDR wird als Symbol für Freiheit und Rebellion dargestellt. Die Protagonisten erinnern sich an ihre Jugend, an den Zusammenhalt und die anarchische Freude. Doch Persiel geht noch weiter. Er konfrontiert diese Erinnerungen mit der Realität eines alten Hinterhofs, in dem die ehemaligen Skater nach Denis‘ Beerdigung zusammentreffen. Hier, umgeben von Rost und Verfall, werden die Erinnerungen lebendig. Persiel nutzt beeindruckendes historisches Material, darunter Originalaufnahmen auf Super 8, die den Zuschauer in die Welt des Skateboardens in der DDR entführen. Doch er verlässt sich nicht nur auf diese Bilder. Er hinterfragt sie, konfrontiert sie mit unterschiedlichen Perspektiven und zeigt so die Vielschichtigkeit der Erinnerung.

Die Animationen von Sasa Zivkovic füllen die Lücken, wo es keine Bilder gibt. Sie erinnern daran, dass Erinnerungen subjektiv und oft trügerisch sind. „This Ain’t California“ feiert nicht nur eine Jugendbewegung, sondern reflektiert auch die Art und Weise, wie wir uns erinnern. Der Film ist nicht nur ein Genuss für das Auge, sondern auch ein tiefgründiges Werk über Freundschaft, Jugend und die Vergänglichkeit der Zeit.

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