Irina Palm

In Sam Garbarskis meisterhafter Tragikomödie „Irina Palm“ steht eine einfache Mittfünfzigerin im Rampenlicht. Maggie, gespielt von der beeindruckenden Marianne Faithfull, findet sich in einem herzzerreißenden Dilemma wieder, als ihr kleiner Enkel Olly eine kostspielige Behandlung in Australien benötigt. Ohne Geld und keine andere Option, betritt sie mutig eine unbekannte Welt – Londons Sexindustrie.

Dauer: 109 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: Sam Garbarski
Produzenten: Sébastien Delloye, Diana Elbaum, Georges van Brueghel
Hauptdarsteller: Marianne Faithfull, Miki Manojlovic, Kevin Bishop
Nebendarsteller: Dorka Gryllus, Jenny Agutter
Genres: Drama, Komödie
Studio: Strand Releasing
Sprachen: Deutsch, English

Mit der Rolle der „Irina Palm“ in einem schmierigen Club in Soho überrascht Maggie nicht nur sich selbst, sondern auch die Zuschauer. Die emotionale Reise von Maggie, die trotz der harten Realität der Sexarbeit ihren Mut und ihr Mitgefühl nie verliert, wird auf eine humorvolle und dennoch tiefgreifende Weise erzählt. Der Film stellt mit Witz und Mut eine provokante Frage: Wie weit würden Sie gehen, um die Menschen, die Sie lieben, zu retten?

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Irina Palm“ ist eine internationale Koproduktion von 2007 unter der Regie von Sam Garbarski. Als Mitwirkende dieses 99-minütigen Films steuern Martin Herron, Philippe Blasband und Garbarski selbst das Drehbuch bei. An der Produktion sind Sébastien Delloye, Diana Elbaum, Karl Baumgartner, Thanassis Karathanos und Georges van Brueghel beteiligt.

Die Hauptrollen werden von Marianne Faithfull und Miki Manojlović übernommen, mit unterstützenden Darbietungen von Kevin Bishop, Siobhán Hewlett und Dorka Gryllus. Mit der Musik von John Stargasm und der Kameraführung von Philippe Blasband wird ein atmosphärischer Hintergrund für diese Tragikomödie geschaffen. Im Anschluss verfeinert Ludo Troch das Ganze durch den Schnitt.

Die Hintergrundgeschichte des Films ist ebenso bemerkenswert. Finanzierungsprobleme führten zu einer Umsiedlung der Handlung nach England. Eine Forderung des Geldgebers, der während eines Festivals in Rotterdam gefunden wurde, führte zu einer Überarbeitung des Drehbuchs auf Englisch. Darüber hinaus war das Drehbuch für „Irina Palm“ bereits abgeschlossen, bevor Garbarski das Buch zu seinem ersten Spielfilm „Der Tango der Rashevskis“ verfasste.

Inhalt und Handlung vom Film „Irina Palm“

Maggie, eine großzügige Mittfünfzigerin, lebt in einer englischen Kleinstadt. Ihr Alltag ist von Bescheidenheit und finanziellen Schwierigkeiten geprägt, besonders als sie versucht, die teure medizinische Behandlung ihres kranken Enkels Olly zu finanzieren. Nachdem die örtlichen Spenden und der Verkauf ihres Hauses nicht ausreichen, sieht Maggie keine andere Wahl, als sich auf Jobsuche zu begeben.

Eines Tages stößt sie auf ein Stellenangebot für eine Hostess mit „besten Verdienstmöglichkeiten“. Der Arbeitsplatz entpuppt sich als Sex-Club „Sexy World“ im Herzen von Londons Vergnügungsviertel Soho. Trotz des anfänglichen Schocks und ihrer Unsicherheit entscheidet sie sich schließlich, das Jobangebot anzunehmen. Sie sieht darin die letzte Möglichkeit, genug Geld für Ollys Behandlung in Australien zu sammeln.

Die erfahrene Kollegin Luisa weist Maggie in die „Spielregeln des Gewerbes“ ein und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich schnell eine Freundschaft. Unter dem Künstlernamen „Irina Palm“ wird Maggie zu einer sehr gefragten Frau in der Szene, bekannt für ihre geschickten Hände. Doch der Erfolg hat auch seine Schattenseiten: Luisa verliert ihren Job und die Freundschaft zwischen den beiden Frauen zerbricht.

Schwierige Entscheidungen

Maggies neu gewonnenes Selbstbewusstsein und ihre Verwandlung bleiben nicht unbemerkt, auch nicht von Miki, dem Besitzer des Clubs, der beginnt, Interesse an ihr zu zeigen. Doch dann holt das Kleinstadtleben Maggie ein, als ihr Sohn und die neugierigen Nachbarn Fragen über ihren neuen Job stellen. Maggie bleibt jedoch standhaft und schweigt, bis ihr Sohn sie heimlich verfolgt und die Wahrheit entdeckt.

Nachdem er seine Mutter entdeckt und beschimpft hat, steht Maggie vor der schwierigen Entscheidung, ihre Arbeit fortzusetzen oder den Kontakt zu ihrem Enkel zu verlieren. Trotz der Vorwürfe und des Drucks ihrer Nachbarn entscheidet sich Maggie, offen über ihre Arbeit zu sprechen und verteidigt ihre Entscheidung mutig. Schließlich akzeptieren ihr Sohn und seine Frau ihre Entscheidung und fliegen mit Olly nach Australien zur Behandlung. Der Film endet damit, dass Maggie von Miki, dem nun verliebten Clubbesitzer, mit einem langen Kuss empfangen wird.

Fazit und Kritiken zum Film „Irina Palm“

Irina Palm„, Regie von Sam Garbarski, zeichnet sich durch eine starke internationale Prägung aus. Dieser Spielfilm, der nach jahrelanger Überzeugungsarbeit mit Beteiligung von 15 Produktionsgesellschaften realisiert wurde, sticht durch sein originelles Drehbuch hervor. Trotz der Suche vieler nach Einzigartigkeit, erweist sich das Projekt als Herausforderung für die Filmbranche. Garbarski gelingt es dennoch, einen frischen und spritzigen Film zu schaffen, in dem Komik durch lakonische Dialoge und unerwartete Charaktere entsteht.

Eine der stärksten Leistungen des Films zeigt sich in den ausdrucksstarken Rollen der Schauspieler. Miki Manojlovic liefert eine eindrucksvolle Performance als Clubbesitzer Miki, dessen Charakter weit über das Klischee eines schmierigen Puffbesitzers hinausgeht. Noch bemerkenswerter ist jedoch die Leistung von Marianne Faithfull als Maggie. Ihr nuanciertes Spiel mit Mimik und Gestik sorgt für intensive und bewegende Momente, während der Film nie explizit pornografisch wird. Im Zentrum steht immer die tragische Realität der Sexarbeit, die trotz ihrer Legalisierung in vielen Ländern noch immer stigmatisiert wird.

Garbarskis Werk vermeidet die üblichen Klischees der Sexindustrie. Stattdessen erweist sich der Film als Ort des Erwachens für Maggie, die ihre bisherige Weltfremdheit überwindet und ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Das Resultat ist ein mutiger und origineller Film, der sich wohltuend vom Mainstream-Kino abhebt. Mit „Irina Palm“ ist Garbarski eine politisch unkorrekte und dennoch tief berührende Tragikomödie gelungen, die den Zuschauer bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht.

X