Sonne und Beton

Mit „Sonne und Beton“ entführen uns Felix Lobrecht und Regisseur David Wnendt in die raue Welt der Berliner Gropiusstadt. Die Adaption von Lobrechts gleichnamigem Roman ist ein kraftvolles Kinowerk, das gekonnt zwischen einer beinharten Milieustudie, einem humorvollen Heist-Movie und einem fiebrigen Brennpunkt-Thriller navigiert. Dabei bleibt die Essenz des Romans – ein eindringliches Bild von Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit, gekoppelt mit dem unverwechselbaren Neuköllner Jugendslang – unangetastet.

Dauer: 113 Min.
FSK: ab 12 Jahren
Jahr:
Regie: David Wnendt
Produzenten: Fabian Gasmia, David Wnendt
Hauptdarsteller: Levy Rico Arcos, Vincent Wiemer
Nebendarsteller: Rafael Luis Klein-Hessling, Maldonado Morales
Genres: Action & Abenteuer, Drama
Studio: Constantin Film
Sprachen: Deutsch

Der Film beginnt mit einer ansprechenden Aussage: „Es war alles genau so. Vielleicht aber auch nicht.“ Diese geheimnisvolle Einleitung weist auf die eindrucksvolle Mischung aus autobiografischen und fiktiven Elementen hin, die „Sonne und Beton“ zu bieten hat. Egal ob du versuchst, die wahre Geschichte von den erfundenen Abschnitten zu trennen, oder einfach die filmische Darstellung von Lobrechts Jugend genießt, dieser Film wird dich nicht loslassen.

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Sonne und Beton“ ist ein atemberaubender Coming-of-Age- und Kriminalfilm, der auf dem 2017 erschienenen autobiografisch inspirierten Bestseller von Felix Lobrecht basiert. Dieser spielt in der harten Betonwelt Berlins und zeigt das Erwachsenwerden unter herausfordernden Umständen. Lobrecht, bekannt für seine Auszeichnungen als Bester Komiker und Bester Comedy-Podcaster, hat seine Kindheitserfahrungen in Berlin-Neukölln genutzt, um einen eindringlichen Roman zu schaffen. Dieser wurde dann durch David Wnendt und Lobrecht selbst zu einem Drehbuch umgewandelt. Mit einem talentierten Ensemble, darunter Levy Rico Arcos, Vincent Wiemer und Aaron Maldonado Morales, sowie musikalischer Untermalung von Enis Rotthoff und Konstantin Scherer, bringt der Film die Bilder und Geschichten aus Lobrechts Roman auf die große Leinwand.

Großzügige Fördermittel ermöglichten die Produktion dieses ambitionierten Projekts. Der Deutsche Filmförderfonds, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Filmförderungsanstalt haben zusammen mehr als 2 Millionen Euro bereitgestellt. Diese Unterstützung ermöglichte es den Produzenten Fabian Gasmia, David Wnendt, Christoph Müller und Franziska Suppee, eine eindrucksvolle filmische Darstellung zu kreieren. Die Kameraführung von Jieun Yi und der präzise Schnitt von Andreas Wodraschke trugen erheblich zur Qualität des Films bei.

Trotz der rauen Thematik und des urbanen Settings hat „Sonne und Beton“ zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Beim Bayerischen Filmpreis 2022 gewann er den Preis für das Beste Drehbuch und die Beste Bildgestaltung. Darüber hinaus erhielt er den Cinema Award des Civis – Europas Medienpreis für Integration 2023. Auch beim Deutschen Filmpreis 2023 gab es mehrere Nominierungen, darunter Bester Spielfilm und Bestes Drehbuch. Die beeindruckende Leistung der Schauspieler wurde beim Deutschen Schauspielpreis 2023 anerkannt, wo Franziska Wulf für ihren „Starken Auftritt“ nominiert wurde. Diese Auszeichnungen sind ein Beleg für die außergewöhnliche Qualität von „Sonne und Beton“.

Inhalt und Handlung vom Film „Kriegerin“

Im sengenden Sommer 2003 in Berlin-Gropiusstadt versuchen die Teenager Lukas, Julius und Gino, ihren Alltag zu meistern. Zwischen kiffen und missglückten Flirtversuchen bahnen sie sich ihren Weg durch das soziale Gefüge von Neukölln. Als der Halbkubaner Sanchez neu in ihre Klasse kommt, schließen sie schnell Freundschaft. Ihr Zuhause ist jedoch kein Ort des Friedens. Familiäre Konflikte, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus prägen ihr Leben. Lukas, der das größte Potential hat, sich zu entfalten, bewundert seinen älteren Bruder Marco, ein lokaler Kleinkrimineller.

Eines Tages wird Lukas der Zugang zur Schule verwehrt, da er seinen Schülerausweis verloren hat. Zusammen mit seinen Freunden, die sowieso vorhaben die Schule zu schwänzen, trifft er sich im Park. Dort geraten sie in eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Drogendealern. Lukas wird nicht nur zusammengeschlagen, sondern muss auch eine Entschädigung von 500 Euro zahlen. Darüber hinaus haben die Jungs nicht genug Geld, um ihr Freizeitleben zu finanzieren. Sanchez schlägt vor, in ihre Schule einzubrechen und die neu angeschafften Schülercomputer zu stehlen.

Der Einbruch in die Schule

Trotz ihrer Unprofessionalität gelingt der Einbruch und die Jungs verkaufen drei der Rechner. Mit den 800 Euro, die sie dafür erhalten, kaufen sie sich unter anderem neue Kleidung. Als Lukas‘ Lehrer ihn zu einem Gespräch bittet, befürchtet er, dass sie aufgeflogen sind. Aber der Lehrer verdächtigt die Mitschüler mit Migrationshintergrund und bittet Lukas um Hilfe bei den Ermittlungen. Unterdessen zerstören die Drogendealer das Auto von Lukas‘ Vater, da sie immer noch auf ihr Geld warten.

Lukas offenbart seinem Bruder Marco den wahren Hintergrund des Computerdiebstahls. Marco führt sie zu einem Käufer für die restlichen Rechner, der sie allerdings nicht bezahlt und mit den Computern davonfährt. Marco nutzt die Situation aus und zahlt mit dem Erlös eigene Schulden in der Unterwelt ab. Währenddessen bemerkt der Zuschauer, dass Marco den vermeintlich verlorenen Schülerausweis seines Bruders zum Zigarettendrehen benutzt.

Am Ende des Films eskaliert die Situation bei Gino zu Hause. Nachdem er seinen brutalen Vater, der seine Mutter verprügelt, mit einer Flasche niedergeschlagen hat, springt er selbst aus dem Fenster. Während Lukas, Julius und Sanchez sich auf den Weg ins Krankenhaus machen, geraten sie in einen Konflikt mit Julius‘ Freundin Denise und dem Drogendealer Cem. Trotzdem entscheiden sie sich dafür, Gino im Krankenhaus zu besuchen. Der Film endet mit einer emotionalen Szene, in der die Freunde den schwer verletzten, aber ansprechbaren Gino besuchen und sich in einem Zeichen der Freundschaft umarmen.

Fazit und Kritiken zum Film „Sonne und Beton“

Sonne und Beton“ strahlt als authentische filmische Umsetzung des populären Romans von Felix Lobrecht. Lobrecht, bekannt für seine stand-up Comedy, Autorentätigkeit und den Podcast „Gemischtes Hack„, zeichnet in diesem Werk eine mit Armut, Gewalt und Tristesse durchzogene Lebensrealität auf, die er aus seiner Jugend in der Gropiusstadt in Berlin kennt. Die Essenz seines Erzählstils und der authentische Jugendslang des Neuköllner Viertels bleibt im Film erhalten, was Liebhaber des Romans erfreuen dürfte.

Die Adaption der Leinwand beginnt mit der Bemerkung „Es war alles genau so. Vielleicht aber auch nicht.“ Dies unterstreicht die Verschmelzung von autobiografischen und fiktiven Erlebnissen in der Handlung. Lobrecht, der frühere Poetry-Slammer, lässt offen, welche Elemente der Geschichte wahr oder erfunden sind. Wnendt und Lobrecht schaffen es, trotz der typischen Schwierigkeiten von Buch-zu-Film-Adaptionen, die erzählerische Tiefe des Romans zu bewahren und sogar zu erweitern. Dies verleiht dem Film eine bittersüße Endnote und erlaubt eine tiefere Charakterisierung von Nebenfiguren.

„Sonne und Beton“ bleibt nicht nur treu zur literarischen Vorlage, es erreicht sogar das Potential eines Kultfilms. Als Mischung aus harter Milieustudie, humorvollem Heist-Movie und hitzigem Brennpunkt-Thriller, bringt der Film die Frustration und Perspektivlosigkeit der marginalisierten Gesellschaftsschichten zum Ausdruck. Die authentischen Bilder und der echte Slang erzeugen eine fast dokumentarische Atmosphäre, die an die realistischen Darstellungen von Berliner Brennpunkten in Serien wie „4 Blocks“ oder „Para“ erinnert. Die einzigartige Verbindung von harten Realitäten und unterhaltsamer Erzählung macht „Sonne und Beton“ zu einem unvergleichlichen Kinoerlebnis.

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